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125 Jahre DAW: Bessere Gebäude für besseres Leben

Baufarbenhersteller feiert Jubiläum mit rund 200 Gästen in der Firmenzentrale in Ober-Ramstadt

Ober-Ramstadt, 29. Januar 2020 (DAW) - Rund 200 Gäste aus Politik und Wirtschaft – darunter viele Kunden, Lieferanten, lokale Honoratioren sowie verdiente ehemalige Mitarbeiter – kamen am 15. Januar an den DAW-Firmensitz nach Ober-Ramstadt, um exakt 125 Jahre nach dem Gründungstag des Familienunternehmens mit einem Festakt ins Jubiläumsjahr zu starten.

Die Eintragung der Deutschen Amphibolin-Werke von Robert Murjahn im Handelsregister in Hamburg am 15. Januar 1895 ist  für den Baufarbenhersteller ein Tag mit symbolischer Bedeutung, aber es war bei näherer Betrachtung „nur“ ein Neustart. Bereits sechs Jahre zuvor hatte der Vater von Robert Murjahn, der Hamburger Kaufmann Eduard, die Deutschen Amphibolin-Werke von Eduard Murjahn gegründet – mit einer großen Portion Mut und Unternehmergeist.

Bedeutender als das reine Datum sei die Symbolik, die sich aus dem nun seit 125 Jahren bestehenden Namen ergibt: „Deutsche Amphibolin-Werke von Robert Murjahn – das war und ist von Anfang an ein Unternehmen mit deutschen Wurzeln, das sich der Entwicklung von hochqualitativen Produkten widmet, diese in eigenen Werken herstellt und sich bis zum heutigen Tage zu 100 Prozent im Besitz der Familie Murjahn befindet“, so CEO Dr. Ralf Murjahn.

Diese Erfolgsstory der DAW-Gruppe zeichnete ein kurzweiliger Historienfilm beim Festakt nach. Und DAW-Seniorchef Dr. Klaus Murjahn, der von den 125 Jahren Firmenhistorie rund 70 Jahre zunächst als Schüler, dann als Student erlebte und später in fast 50 Jahren unternehmerischer Tätigkeit die Geschichte mitgestalten konnte, beschrieb in seiner Ansprache die Entstehungsgeschichte der DAW sowie das Lebenswerk seines Vaters. Zu dessen Zeiten machte die DAW einen enormen Wachstumssprung. Dr. Robert Murjahn erkannte als Chemiker, Erfinder und Unternehmer sehr frühzeitig und vor allen seinen Konkurrenten die Chancen, die sich mit der neuen Bindemittelgeneration der Kunststoffdispersionen für die Farbenindustrie eröffneten. Dank seiner Weitsicht und seines Know-hows als Chemiker machte er die Firma zum Marktführer in Deutschland. Durch Dr. Robert Murjahn sind die DAW das Pionierunternehmen für die wässrigen, umweltfreundlichen Anstrichstoffe geworden.

Dr. Klaus Murjahn nutzte die Chance, das kerngesunde Unternehmen, das ihm sein Vater übergeben hatte, in den Jahrzehnten seines unternehmerischen Wirkens auszubauen und das Wachstum der Firma voranzutreiben: „Die größte Herausforderung aber auch größte Chance in meiner aktiven Zeit war die Übernahme des DDR-Kombinats für Lacke und Farben (Lacufa) im Zuge der Wiedervereinigung. Dieser Schritt öffnete der DAW nicht nur den ostdeutschen Markt, sondern verschaffte dem Unternehmen Zugang nach Russland und fast allen anderen osteuropäischen Ländern. Das führte zum zweiten Wachstumsschub in der Firmengeschichte.

Innovationen: Motor des Wachstums

Ralf Murjahn betonte drei Werte, die von Anfang an die Grundlage des Erfolgs über fünf Generationen von Familieneigentümern und Mitarbeitern waren: „Als erstes war und ist es unser Anspruch an uns selbst, stets ein fairer und zuverlässiger Partner zu sein, ganz in hanseatischer Tradition, vor allem für unsere Kunden, aber auch für alle anderen Geschäftspartner – und selbstverständlich für die Mitarbeiter.“ Zudem sieht das Unternehmen im kontinuierlichen Streben nach Innovation den einzigen Weg, Kunden immer wieder neuartigen Nutzen zu bieten, der sie erfolgreicher macht und der die DAW dauerhaft im Markt differenziert.

„Bei aller Bescheidenheit lässt sich feststellen, dass die DAW die Entwicklung unserer Branche in den vergangenen 125 Jahren mit zahlreichen innovativen Pionierleistungen mitgeprägt hat – von der ersten kaltwasserlöslichen Pulverfarbe Alpinaweiß 1909 und dem neuartigen Bindemittel Caparol 1927, aus dem 1936 von Dr. Robert Murjahn die erste Dispersionsfarbe weltweit rezeptiert wurde, über die erste Wärmedämmung 1957, die erste E.L.F.-Farbe 1985 oder die erste konservierungsmittelfreie Farbe 2001“, so Ralf Murjahn. Der dritte Wert sei typisch für Familienunternehmen und essenziell: „die Möglichkeit, weitgehend unabhängig von äußeren Einflüssen und externen Finanziers langfristig denken und entscheiden zu dürfen, um die Unternehmensziele dauerhaft und generationsübergreifend zu verfolgen“.

Wirtschaftlicher Erfolg und unternehmerische Verantwortung

„CO2-neutrale Produktion, regionale Verhaftung, hohe Innovationskraft und damit internationale Wettbewerbsfähigkeit – die DAW verdeutlicht beispielhaft, wie sich wirtschaftlicher Erfolg und unternehmerische Verantwortung, Ökonomie und Ökologie verbinden“, hob der hessische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident Tarek Al-Wazir hervor: „Und damit zeigen sie auch, welchen Beitrag die Chemiebranche auf dem Weg in eine nachhaltige Wirtschaftsweise leisten kann.“ Es gebe wohl kaum jemanden in Deutschland, der nicht in irgendeiner Form Kontakt mit dem Unternehmen hatte. So ist zum Beispiel Alpinaweiß die meist gekaufte Innenfarbe Europas, Caparol-Farben genießen beim Profi höchste Wertschätzung.

Sich auf den Erfolgen der Vergangenheit auszuruhen, wäre indes ein Fehler. „Wir können uns keine Selbstzufriedenheit leisten und müssen für unseren Erfolg in der Zukunft noch professioneller und noch härter arbeiten“, sagte Ralf Murjahn.

Auf neuen Wegen in die Zukunft

Was Unternehmen auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft beachten sollten, erörterte Professor Dr. Markus Hengstschläger in der Festrede. Als Professor für Medizinische Genetik an der Universität Wien ist er in den Bereichen genetische Diagnostik, Grundlagenforschung und Innovationsberatung tätig und ein international anerkannter und vielfach ausgezeichneter Wissenschaftler. Als renommierter Referent und Bestseller-Autor beschäftigt sich Hengstschläger schon seit langem mit der Frage, wie wir unsere Zukunft gestalten können – und was uns wirklich fit dafür macht. Er differenziert zwischen der vorhersehbaren und der nicht vorhersehbaren Zukunft. Auf die vorhersehbare könne man sich vorbereiten und mit den richtigen Fachleute die richtigen Projekte verfolgen. Der nicht vorhersehbare Teil hingegen lässt sich nicht planen. Dafür muss man ungeplante, neue Dinge ausprobieren. Irgendetwas versuchen, das bisher niemand gemacht hat, ist für diesen Teil immer noch besser, als abzuwarten. „Wer gar nicht erst losläuft, wird nichts finden, wer jedoch losläuft, findet vielleicht etwas, wonach er gar nicht gesucht hat.“

In der Gegenwart hohe Diversität, Individualität und Selbstmobilität zu fördern, ist für Hengstschläger ein gewisser Garant dafür, Antworten auf Fragen entwickeln zu können, die wir heute nicht voraussehen können. Er ist überzeugt, dass wir alte Wege verlassen müssen, um neue einzuschlagen. Um auch in Zukunft zu bestehen, sollten Unternehmungen ihre Denkroutinen und liebgewonnenen Gewohnheiten durchbrechen, sich breit aufzustellen und ein Klima entwickeln, in dem sich Talente entfalten können. Dazu gehört eine Kultur, die Fehler erlaubt. Nicht zuletzt gehe es bei der Talentförderung darum, die  Stärken zu stärken: durch üben, üben, üben. Schwächen ausbügeln zu wollen und hierauf Zeit zu verwenden, führe allenfalls zu Mittelmaß. Statt Durchschnitt zu produzieren, sollte vielmehr Investment in die eigentlichen Begabungen gesteckt werden, um das hohe genetische Leistungsvermögen auf einem speziellen Gebiet tatsächlich auszuschöpfen und individuelles Optimum zu erreichen.

Faszinierende Zukunftsprojekte

Beim Festakt präsentierten unter dem Titel „Abenteuer Forschung“ vier Gruppen von talentierten Wissenschaftlern der DAW zukunftsweisende Innovationen – neue Produkte und Ideen, die sie selbst erforscht und entwickelt haben. Die Fragestellung lautete: „Wie sehen die Gebäude der Zukunft aus und was sollen sie leisten?“ Dabei lag der Fokus auf den vier gesellschaftlichen Trends Gesundheit, Design, Effizienz und Nachhaltigkeit mit dem Ziel, den Kundennutzen sowohl für die Verarbeiter, Planer und Investoren als auch für die Menschen, die in den Gebäuden wohnen oder arbeiten, weiter zu verbessern:  

Eine konsequente Kreislaufwirtschaft und die Nutzung erneuerbarer Ressourcen ist eine Grundanforderung für Gebäude der Zukunft. Viele Produkte, die in Häusern verbaut werden, basieren nach wie vor auf fossilen Rohstoffen. Ziel der DAW ist es, diese durch nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen. Gelungen ist das zum Beispiel bei der Herstellung von Lasuren und Holzölen zum nachhaltigen Schutz von Holzoberflächen, indem Leindotteröl als Bindemittel genutzt wird. Das Besondere ist, dass Leindotter gleichzeitig mit Erbsen auf ein und demselben Feld wächst. Somit gehen keine zusätzlichen Flächen für die Nahrungsmittelproduktion verloren. Lasuren und Holzöle, die mit Leindotter als Rohstoff hergestellt wurden, zeichnen sich durch besonders hohe Wetterbeständigkeit aus. Das Produkt ist doppelt nachhaltig, bei der Herstellung wie der Verwendung. Die beim Festakt präsentierte DAW-Produktlösung erhielt den ersten Preis bei den „Greentec Awards 2018“ in der Kategorie Bauen/Wohnen und bei der Sustainability Challenge 2019 der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).  

Mit der Moosfassade AeroCare ist es der DAW und Green City Solutions gelungen, natürliche Materialien oder sogar Organismen zusammen mit High-Tech zu kombinieren, um die Luftqualität in Städten platzsparend zu verbessern. Die  Moosfassade filtert organische Feinstäube, die über die Lunge in die Blutbahn gelangen und Gesundheitsschäden hervorrufen können, aus der Luft. Zugleich ist Moos ein gestalterisches Designelement. Außerdem wird durch das Ausblasen der befeuchteten Luft nicht nur die Funktionalität der Fassade sichergestellt, sondern auch die direkte Umgebung gekühlt, was bei heißen Sommern besonders wichtig ist. Im vergangenen Jahr wurden in einer Pilotphase erste Objekte erfolgreich umgesetzt, nun beginnt der Verkauf.  

Auch „Serielles Bauen“ gehörte zu den Themen der Festveranstaltung. Die effiziente, serielle Fertigung gewinnt in der Baubranche an Bedeutung. Allerdings werden beim „Seriellen Bauen“ und durch die Verlagerung von Prozessen von der Baustelle in ein Werk neue Anforderungen an die Produkte gestellt. Neben maschineller Applikation sind ein geringer Reinigungsaufwand sowie schnelle Trocknung gefordert. Die DAW arbeitet daher aktuell an der Entwicklung einer neuen Klebemasse, die auf der Hybrid-Technologie basiert, die die Vorteile pastöser und mineralischer Produkte in einem Material vereint und es deshalb bei der Vorfertigung erlaubt, in der gleichen Zeit mehr Module für die Fassadendämmung zu bauen.  

Zur Farbberatung beim Kunden haben sich das mobile Farbmessgerät Color Reader und die Spectrum-Gestaltungssoftware bewährt. Die Möglichkeit der Farbtonmessung vor Ort und die Ansicht von mit den Wunschfarbtönen gestalteten Raumbildern auf dem Tablet gehören zum Standard. Im Rahmen des beim Festakt präsentierten i-Tint-Projekts arbeitet die DAW derzeit daran, die Digitalisierung für zusätzlichen Service beim Beratungsgespräches zu nutzen. Die DAW-Experten haben die Software so programmiert, dass für die jeweils vorgesehenen Gestaltungsvarianten echte Farbtonmuster bestellt werden können. Dazu werden kleine Musterdosen automatisch bereitgestellt, um Probeflächen im eigenen Heim zu erstellen. So sehen Kunden die Farbtöne vorab nicht nur auf dem Bildschirm, sondern haben nun die Gelegenheit, sich alles noch mal in Ruhe anzuschauen – und zwar genau unter den Lichtverhältnissen, die bei ihnen zu Hause auch wirklich vorhanden sind. 

Bessere Gebäude für besseres Leben

Dr. Ralf Murjahn und Dr. Klaus Murjahn dankten beim Festakt allen, die den Erfolg der DAW ermöglicht haben, für ihre Beiträge. „Die Erfolge in der Vergangenheit sind für uns ein großer Ansporn, um weiter Gebäude zu ertüchtigen und durch die Verbesserung der Leistung von Gebäuden dafür zu sorgen, dass möglichst viele Menschen in gesunden, gut designten, effizienten und nachhaltigen Immobilien leben und arbeiten werden“, rief Ralf Murjahn dazu auf, dieses auch gesellschaftlich wichtige Ziel zum Wohle aller weiterhin gemeinsam zu verfolgen.

Musikalisch untermalt wurde die Festveranstaltung vom Da-Ponte-Streichquartett mit Werken, die gleichfalls 1895 ihre Geburtsstunde hatten. Führungen über das Firmengelände und durch den Verwaltungsneubau rundeten das Programm ab. Fast alles, was die Gäste während des Festakts zu sehen und zu hören bekamen, war von den DAW-Mitarbeitern selbst erarbeitet worden. Das spiegelt auch der Slogan des Jubiläumsjahres wider: „We are family“, mit dem 2020 viele Aktionen verknüpft sind.

Weiter gefeiert wird mit den Mitarbeitern bei einem Sommerfest, und auch an die Kunden richten sich im Jubiläumsjahr zahlreiche Aktivitäten.

Pressemitteilung