Nano-Quarz-Gitter Technologie Nano-Quarz-Gitter Technologie
Nano-Quarz-Gitter Technologie - Die Zukunft der Fassadenbeschichtung?
Von Alfred Lohmann

Fachzeitungen und Werbung suggerieren in den letzten Jahren, daß eine neue Ära bei den Fassadenbeschichtungen angebrochen ist - die Nano-Hybrid Technologie. Doch was steckt wirklich hinter dieser neuen Technologie? Braucht der Handwerker bei der Vielzahl der schon am Markt erhältlichen unterschiedlichen Fassadenfarben diese neue Technologie denn überhaupt?
Seit über tausend Jahren wird in Europa die Kalkfarbe an der Fassade eingesetzt. Die geringe Wetterbeständigkeit führte jedoch immer wieder zu Überlegungen, diese zu verbessern. Mit der Silikattechnologie gelang dies im 19. Jahrhundert.
Die Dispersionstechnologie, entwickelt von Dr. Robert Murjahn, ermöglichte hoch wasserabweisende und wetterbeständige Beschichtungen, die durch die in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts aufkommende Siliconharztechnologie in der Wasserdampfdurchlässigkeit entscheidend verbessert wurden. Mit der Siliconharztechnologie standen jetzt Beschichtungen zur Verfügung, die neben optimalen bauphysikalischen Eigenschaften und einer im Gegensatz zur Silikatfarbe sehr guten Kreidungsbeständigkeit auch ein sehr geringes Anschmutzverhalten aufwiesen.


Nano-Quarz-Gitter Technologie

Seit ca. 10 Jahren wird intensiv über die Verschmutzungseigenschaften von Fassadenfarben diskutiert. Diese, durch den Lotuseffekt ausgelöste, öffentliche Diskussion wurde dabei erstmals bis zum Endkunden des Handwerkers getragen und durch diesen aktiv gefordert.

Neben der Verschmutzungsneigung von Beschichtungen wird in den letzten 10 – 15 Jahren auch vermehrt über einen organischen Befall durch Algen und Pilze gesprochen. Hausbesitzer möchten natürlich von dem erstellten Werk und auch für den geleisteten finanziellen Aufwand möglichst lange etwas haben. Vorzeitige Veränderungen der Fassade durch natürliche Umwelteinwirkungen werden als störend empfunden.
Die Nano-Quarz-Gitter Technologie verbessert die beiden oben beschriebenen Ansatzpunkte durch die Schaffung einer neuen Bindemittelgeneration.

Bei den Siliconharzfarben unterteilt sich das Bindemittel in einen Anteil Siliconharz und einen Anteil Dispersion. Der prozentuale Anteil des Siliconharzes spiegelt dabei die Qualität des Produktes wider. Je höher dieser Anteil, desto besser ist die Bauphysik und damit auch die Qualität des Produktes. Der Siliconharzanteil ist jedoch auf ca. 50% beschränkt, da sonst Nachteile durch eine verringerte Bindefähigkeit entstehen würden.

Der Dispersionsanteil beeinflußt daher nicht unwesentlich die Eigenschaften von Farben, unabhängig davon, ob es sich um Siliconharzfarben oder Dispersionsfarben handelt. Da hier noch Schwächen im Anschmutzverhalten gegeben sind, wurde intensiv an Verbesserungen geforscht. Eine Kombination der positiven wasserabweisenden und kreidungsbeständigen Eigenschaften der Dispersion mit den geringen Verschmutzungseigenschaften von mineralisch-anorganischen Bindemitteln wie den Kalk- und Silikatfarben wurde dabei schon seit langer Zeit favorisiert.
Erst die technische Voraussetzung einer untrennbaren chemischen Vernetzung der beiden Komponenten organische Dispersion und mineralische Silikatteilchen im Nanobereich erlaubten im Anschmutzverhalten nochmals deutliche Verbesserungen. Die positiven Eigenschaften der Dispersion (sehr gute Haftung zum Untergrund und den Pigmenten/Füllstoffen, sehr geringe Kreidung und sehr gute Wasserabweisung) und die positiven Eigenschaften von mineralischen Bestandteilen (gute Verteilung von Oberflächenfeuchte und schnellere Trocknung erschweren die Lebensbedingungen für Algen und Pilze, mineralische Teilchen sind nicht thermoplastisch und binden daher keinen Schmutz an sich) vereinen sich hierbei. Auch ein geringer Abbau der obersten Bereiche durch Umwelteinflüsse verändert diese Anordnung nicht, da alle Teilchen durch die gesamte Beschichtung ähnlich ausgerüstet sind. Somit ist eine langjährige Schutzfunktion gewährleistet.
Ein zusätzlicher Vorteil dieser neuen Technologie ist durch ein sehr klar auftrocknendes und wasserfestes Bindemittel gegeben. Aufgrund der geringen Quellfähigkeit verändern sich dunkle bzw. kräftige Farbtöne nicht. Dadurch ist einerseits eine Vergrauung der Farbtöne durch das Bindemittel und andererseits ein Weißanlaufen bei Feuchte nicht mehr gegeben. Hierdurch wirken Farbtöne bei gleicher Pigmentzugabe deutlich brillanter. Gerade in der heutigen Fassadengestaltung ist diese Eigenschaft ein entscheidender Vorteil.


Fazit

Die neue Bindemittelgeneration wird in Zukunft die Dispersionstechnologie grundlegend ändern. Verschmutzungen werden deutlich gesenkt. Gerade in der vorteilhaften und seit Jahrzehnten erfolgreich bewährten Verbindung innerhalb der Siliconharztechnologie ergeben sich bauphysikalisch optimale, verschmutzungsresistente und farbkräftigere Beschichtungen. Dieser Vorteil wurde in Kombination mit den bestehenden, positiven Eigenschaften des Caparol-Clean-Conceptes wie der Nanotechnologie in Verbindung mit der Photokatalyse in den Produkten AmphiSilan und ThermoSan umgesetzt. Noch langlebigere, weniger verschmutzungsanfälligere und damit nachhaltige Beschichtungen werden den Kunden in leuchtenden Farben überzeugen. Die Verschiebung der Überarbeitungsintervalle um einige Jahre dankt der Hausbesitzer schließlich seinem Malerbetrieb durch Kundentreue.

In der Diskussion um wirkstofffreie Beschichtungen gegenüber Algen und Pilzen wird gerade die Bauphysik als entscheidender Einflußfaktor angesehen. Dieses ist in gewissem Umfang auch richtig und gilt sowohl für Silikat- als auch für Siliconharzfarben. Durch die Nano-Quarz-Gitter Technologie wird das nochmals positiv beeinflußt. Jedoch treten auch bei optimaler Verbesserung der bauphysikalischen Gegebenheiten auf der Gebäudeoberfläche Veralgungen und Verpilzungen auf, da Grenzen bei der Trockenhaltung von Fassaden gegeben sind. Fassaden, die lange genug Oberflächenfeuchte durch Regen oder Tau ausgesetzt sind, können durch rein bauphysikalische Verbesserungen nicht dauerhaft geschützt werden. Hier ist entsprechend dem heutigen Wissensstand nur durch biozide Wirkstoffe eine ausreichende Sicherheit in der temporären Verhinderung möglich. Viele Fassaden, die nicht zu lange der Feuchte ausgesetzt sind, können durch bauphysikalische Optimierung dauerhaft vor Befall geschützt werden. Es obliegt jedoch dem Handwerker, die jeweilige Situation vor Ort einzuschätzen und abzuwägen, ob dieses auch in den nächsten Jahren für einen sicheren Schutz ausreichend ist. Rechtliche Ansprüche von Bauherren gegenüber bauphysikalisch optimalen, aber nicht ausgerüsteten und damit auch nicht für den Einsatz gegen Algen- und Schimmelbefall ausgelobten Produkten werden dagegen nicht möglich werden. Hier bleibt zur Sicherheit nur die vom Hersteller gewährleistete Ausrüstung bei den entsprechend ausgelobten Fassadenfarben.