Wenn Basisarbeit gefragt ist Wenn Basisarbeit gefragt ist

WDVS-Sockelausbildung erfordert spezielle Fachkenntnisse
Von Oliver Berg

 

Der Sockel eines Gebäudes stellt grundsätzlich eine Schnittstelle zwischen den Gewerken Rohbau, Bauwerksabdichtung, Wärmedämmung, Außenputz und Landschaftsbau dar.
Je nach Bauwerkstyp und Standort können die mechanischen und physikalischen Beanspruchungen von Sockelflächen an Gebäuden sehr unterschiedlich sein. Dies macht eine sorgfältige Planung und Materialauswahl erforderlich, sowohl beim Neubau als auch bei der Modernisierung bestehender Häuser.

Bei Bestandsgebäuden ist der Zustand der Sockelflächen sorgfältig zu prüfen. Zeigen sich Markierungen von Feuchtigkeitseinwirkung oder Putzablösungen, ist zu klären, ob diese durch aufsteigende Feuchtigkeit verursacht oder „nur“ auf die Spritzwasserbelastung des Sockels zurückzuführen sind.

Flächen mit aufsteigender Feuchtigkeit sowie durch Salze geschädigte Bereiche infolge fehlender horizontaler oder vertikaler Feuchtigkeitssperren sind keinesfalls als Untergrund für ein Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) geeignet. Hier ist zuvor die Ursache dauerhaft zu beseitigen und eine angemessene Austrocknung abzuwarten.

Im Zuge der immer strengeren energetischen Anforderungen an Wohngebäude werden heute sowohl im Neubau als auch bei der Sanierung von Altbauten im Sockel- und erdberührten Bereich fast nur noch Dämmplatten gegen Wärmeverluste und Witterungseinflüsse verbaut. Eine Fortführung der Dämmung im Sockelbereich ist dabei empfehlenswert, um die Auswirkungen der geometrischen Wärmebrücke (kalte Kellerwand) zu reduzieren. Wird der Keller gar zu Wohn-Zwecken genutzt, ist eine Dämmung bis auf die Fundamentplatte fast unverzichtbar.
 
Diese Dämmschicht fungiert dann gleichzeitig auch als „Schutz“ der Bauwerksabdichtung. Die vertikale Abdichtung muss unterhalb des Erdreichs bis zum Fundamentansatz und oberhalb an die waagerechte Abdichtung mindestens 30 Zentimeter über das Gelände reichen. Oberhalb des Geländes darf gemäß DIN 18195 die vertikale Abdichtung entfallen, wenn dort ausreichend wasserabweisende Bauteile verwendet werden. Das liegt vor, wenn ein wasserabweisender Sockelputz bzw. ein WDVS eingesetzt wird.
 
Ein WDVS übernimmt jedoch grundsätzlich keine Abdichtungsfunktion.

Im Sockel- und Perimeterbereich dürfen keine Dämmplatten verwendet werden, die normalerweise bei WDVS innerhalb der Fassade zur Anwendung kommen. Unterhalb der Gelände- bzw. Belagoberkante dürfen nur Schaumkunststoffplatten verwendet werden, die als Perimeterdämmung bauaufsichtlich zugelassen sind.

Als Perimeterdämmung wird die Wärmedämmung von erdberührten Bauteilen von Gebäuden und Bauwerken an ihrer Außenseite bezeichnet. Dabei kann es sich sowohl um die Dämmung unterhalb der Bodenplatte eines Gebäudes wie auch um die Wanddämmung einer im Erdreich eingebundenen Kelleraußenwand handeln. Die Dämmung muß wasser- und druckbeständig sein, daher werden vorrangig geschlossenporige Schaumstoffmaterialien wie z. B. extrudierte Polystyrol-Hartschaumplatten eingesetzt.  

Für den armierten Unterputz bzw. die Armierungsschicht sind Armierungsmörtel und Armierungsgewebe einzusetzen. Um eine erhöhte mechanische Beanspruchbarkeit wie z. B. Widerstand gegen Stoßbelastungen zu erzielen, können verschiedene Varianten ausgeführt werden:
  • Verwendung von Sockeldämmplatten mit erhöhter Belastbarkeit
  • zusätzliche Armierungsschicht
  • zusätzliche Einlage eines Panzergewebes in der Armierungsschicht
  • keramische Beläge  
  • carbonfaserverstärkte Armierungsmasse (CarbonSpachtel, CarboNit) 
  • Sockelschutzplatten

Als Oberputze können sowohl geeignete mineralische Putze (z. B. Haft- und Filzputze) wie auch organisch gebundene Putze (z. B. Kunstharzputze und Buntsteinputze) sowie keramische Beläge verwendet werden.
Mineralische Putze auf Wärmedämmplatten werden nach dem heutigen Stand der Technik in Anlehnung an die DIN 18550 in der Mörtelgruppe P II (Mindestdruckfestigkeit 2,5 N/mm2) ausgeführt und sollten im Sockelbereich oberhalb der Geländeoberkante eine geeignete wasserabweisende Beschichtung aufweisen.

Der Verlauf der Sockelkante muß vor Arbeitsbeginn eindeutig festgelegt werden, um nachträgliche Anpaßarbeiten zu vermeiden. Bei fehlender Höhenangabe muß der Auftragnehmer gemäß VOB eine Behinderung anzeigen.

Bei der Planung der Sockelkante ist eine klare Trennung zwischen der Fassaden- und Sockeldämmung anzustreben. Der Wunsch, den Fassadenputz nahtlos bis ins Erdreich zu führen, ist aus architektonischer Sicht verständlich, stellt aber wegen der unterschiedlichen Belastungen (Spritzwasserzone, starke Verschmutzung) keine ideale Lösung dar.

Problematisch ist stets der Anschluß an die Fundamentkante bzw. vorhandene Horizontalsperren. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, daß Bitumenabdichtungen und die oftmals verwendeten Teerprodukte in älteren Horizontalsperren miteinander nicht verträglich sind. Vor allem dann, wenn keine Horizontalsperre vorhanden ist, wird oftmals die zusätzliche Anordnung von Dränagen sinnvoll sein, um anfallendes Wasser möglichst von vornherein fernzuhalten.
Wie sieht die bestmögliche Ausführung eines verputzten WDVS-Sockels aus?

Hierzu gibt es keine pauschale Antwort. Vielmehr muß der Sockel unter vier Kriterien betrachtet werden.
1. Bauliche Voraussetzungen

  • Der geometrische Verlauf der Sockelkante muß vor Arbeitsbeginn eindeutig festgelegt  werden. Die Ausführung von gedämmten Sockelflächen bedarf einer planerischen Vorgabe, um die Übergänge zu den Gewerken Bauwerksabdichtung, Fassadendämmung und Außenanlagen funktionell ausbilden zu können. Unterbleibt dies, können sog. „Besondere Leistungen“ wie z. B. zusätzlich erforderliche Abdichtungsmaßnahmen im Bereich des Sockel- oder erdberührten Bereichs des WDVS die Folge sein.
  • Die Bauwerksabdichtung muß gemäß DIN 18195 bis zur Höhe von 30 Zentimeter über Terrain vorhanden sein (wasserundurchlässiger Beton, bituminöse oder mineralische Feuchtigkeitssperren mit entsprechender bauaufsichtlicher Zulassung). Diese Leistung muß vor der Anbringung des WDVS erbracht sein.
  • Das WDVS kann keine abdichtende Funktion übernehmen.
  • Rein planerisch ist es immer von Vorteil, eine klar definierte Trennung (Rücksprung) zwischen Fassaden- und Sockeldämmung auszubilden. Nahtlos bis ins Erdreich geführte Fassadenputze verschmutzen im Spritzwasserbereich viel schneller.
2. Dämmplatten und deren Befestigung

  • Für die Wanddämmung im Erdreich müssen Dämmplatten mit einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung als „Perimeterdämmplatte“ eingesetzt werden.
  • Für die zu verputzenden Dämmplatten im sichtbaren Sockelbereich gibt es kein amtliches Anforderungskriterium. Sinnvollerweise verwendet man hier aber auch Perimeterdämmplatten, weil sie eine besonders gute Feuchtigkeitsresistenz aufweisen.
  • Im erdberührenden Bereich sollte der Dämmplatten-Kleber nur punktweise aufgetragen werden, um sicherzustellen, daß dort anfallendes bzw. ins Erdreich eingedrungenes Oberflächenwasser nach unten abfließen kann.
  • Im sichtbaren Sockelbereich oberhalb des Erdreiches müssen die Dämmplatten mit umlaufenden Streifen und mittigen Batzen verklebt werden, um die Plattenränder kraftschlüssig mit dem Untergrund zu verbinden.
  • Soll die Sockeldämmung unterhalb des Erdreiches enden, empfiehlt sich, die Unterkante der letzten Plattenreihe leicht anzuschrägen. Damit wird verhindert, daß beim späteren Anfüllen des Erdreiches Hohlstellen unter den Platten entstehen.
  • Im Außenbereich sollten die Perimeter-Dämmplatten stets möglichst weit oben im Übergang zur nächsten Dämmplatte (Fassade) gedübelt werden, damit eine eventuell bauseits vorhandene Feuchtigkeitssperre nicht im beanspruchten Bereich verletzt bzw. durchdrungen wird. Zum einen, weil auf den meist bituminösen Abdichtungen keine absolute Kleberhaftung möglich ist, zum anderen wird damit verhindert, daß die Dämmplatten beim späteren Anfüllen und Verdichten der Baugrube über den Anpreßdruck nach unten gezogen werden.
3. Schutz des Sockelputzes im erdberührenden Bereich

  • Der Sockelputz (Unterputz, Oberputz, Anstrich) ist - je nach baulicher Situation - ca. zehn Zentimeter bis unter die vorgesehene Erdreichkante herabzuführen.
  • Der erdberührende Bereich des Putzes muß bis ca. fünf Zentimeter oberhalb des Erdreichs eine Schutzbeschichtung erhalten, die eine kapillare Feuchtigkeitsaufnahme verhindert. Der „mit den Füßen im Wasser stehende“ Putz soll keine Feuchtigkeit in den sichtbaren Sockelbereich transportieren können. Hierfür wird sinnvollerweise das Produkt Capatect-SockelFlex eingesetzt. Es handelt sich um ein dispersionsgebundenes Material, das vor Ort mit einem entsprechenden Zement versetzt wird.
  • Vor dem Anfüllen des Erdreiches bzw. Kiesbettes ist eine Noppenfolie oder ähnliches vor der Dämmung anzuordnen, um Beschädigungen zu vermeiden.

4. Art des Sockelputzes

Welche Beschichtung soll gewählt werden? Die Spritzwasserzone ist wohl der kritischste Punkt, weil die Belastungen höchst unterschiedlich sein können. Einflußfaktoren sind hier:

  • Gefälle
  • Kiesfilterschicht vorhanden?
  • Pflasterbelag oder bindiges Erdreich direkt am Sockel, dadurch Stauwasser vor dem Putz
  • Austrocknungsbehinderung des Putzes durch Pflanzenbewuchs (Rabatte und Sträucher)
  • Anhaltende Feuchtebelastung durch vor der Fassade angehäuften Schnee
  • Mit Streusalz belasteter Schnee führt zur Zerstörung jedweden Putzes, egal welcher Art und welcher Qualität
  • Urinbelastung durch Hunde
  • Mechanische Belastung (Fußgängerzone in der Innenstadt oder EFH-Gartenseite, Müllboxenbereiche, Hauseingangszonen, Fahrräder, Gartengeräte etc.). Zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit an besonders belasteten Fassadenbereichen wie z.B. Eingangszonen, Sockelflächen oder Müllboxenbereichen können besondere Ausführungen vorgesehen werden.

Häufig hat man es mit einem Mix verschiedener Belastungen zu tun. Deshalb sind Pauschalaussagen nicht möglich. Selbst der beste Sockelputz kann versagen, wenn z.B. der Feuchteschutz im erdberührenden Bereich (siehe Punkt 3) nicht funktioniert. Und jeder Putz wird zerstört, wenn er durch Tausalz regelrecht „gepökelt“ wird.


Fazit

  • Die in der Putznorm für Sockelflächen vorgegebenen Putze der Mörtelgruppe P II oder P III können, abhängig von der jeweiligen Festigkeitsklasse, auf WDVS in der Regel nicht eingesetzt werden.
  • Es sollten stets systemzugehörige Materialien (Unterputz und Oberputz) gewählt werden, die einen günstigen Feuchtehaushalt aufweisen, d. h. Produkte, welche die (zwangsläufig) aufgenommene Feuchtigkeit möglichst schnell wieder abgeben können. Daher sind gut hydrophobierte Mineralmörtel zu bevorzugen.
  • Es sollten keine stark filmbildenden Anstriche mit hohem sd-Wert eingesetzt werden. Silikatisch gebundene Anstriche (bzw. Produkte mit vergleichbaren Eigenschaften) sind demnach zu bevorzugen.
  • Im Standardfall bei der Umsetzung an einem Wohnhaus wird man mit dem Aufbau
  • Perimeterdämmplatte
  • mineralische Armierungsmasse inkl. Gewebeeinlage
  • mineralisch- oder silikatisch gebundener Oberputz
  • Anstrich mit wasserglasgebundener Farbe, z.B. Caparol-Sylitol-Fassadenfinish den gewünschten Schutz erzielen.
  • Klar muß jedoch sein, daß bei anhaltender Feuchtebelastung des Sockels, bei Schnee-, Streusalz- oder Urinbelastung jeder Putz auf längere Sicht zerstört werden kann. In derartigen Fällen sollte man gegebenenfalls auf Natursteinbekleidungen ausweichen.

Oliver Berg
CAPAROL Technik


Abbildungen/Fotos: Caparol Farben Lacke Bautenschutz

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