Gestaltungstechniken für Bodenflächen Gestaltungstechniken für Bodenflächen
Bodengestaltung

Bodenflächen: Robust und optisch attraktiv
Gestaltungsmöglichkeiten im Bautenschutz – von Martin Gies

 

Bodenbeschichtung, Betonsanierung, Bautenschutz – die Farbe, die den meisten Menschen zu diesen Begriffen einfällt ist Grau.
Moderne Oberflächenschutzsysteme für Fassaden und Bodenflächen können jedoch individuell gestaltet werden und verbessern so nicht nur die Dauerhaftigkeit des Bauteils, sondern auch das optische Erscheinungsbild.

Industrieböden und Parkflächen

Industrieböden und Parkflächen bilden den größten Einsatzbereich von Reaktionsharzbeschichtungen. Anforderung an derartige Beschichtungen ist eine hohe Verschleißfestigkeit und Dauerhaftigkeit sowie ggf. die chemische Beständigkeit. Wegen der hohen Belastung kommen meist keine dekorativen Techniken zum Einsatz, überwiegend werden monochrome, deckende Beschichtungen verwendet. Farbige Gestaltungen dienen hier meist der Markierung und Orientierung. Neben dem nachträglichen Aufbringen von Markierungsstreifen können Flächen mit unterschiedlichen Funktionen (z.B. Fahrwege/ Stellflächen) farblich abgesetzt werden. Eine Vielzahl von Farbtönen, auch mit intensiver Farbigkeit, sind technisch machbar.

Als Argument für den Einsatz von gedeckten Grautönen wird oft die geringere Verschmutzungsneigung und damit niedrigere Reinigungskosten angeführt. Allerdings können helle Farbtöne auch zur Kostensenkung beitragen: Durch den höheren Reflexionsgrad kann z.B. bei Parkhäusern die Zahl der benötigten Lampen reduziert werden. Gerade bei steigenden Energiekosten eine lohnende Investition. Ansprechend gestaltete Parkhäuser erhöhen darüber hinaus das subjektive Sicherheitsempfinden der Benutzer und führen zu einer höheren Akzeptanz. Die Mehrkosten für eine professionelle Farbgestaltung amortisieren sich daher oft durch eine bessere Auslastung.

Ausstellungsflächen und Verkaufsräume

Weit mehr Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich, wenn  Reaktionsharzbeschichtungen in höherwertig genutzten Bereichen wie zum Beispiel Ausstellungsflächen oder Verkaufsräumen eingesetzt werden. Das Einstreuen von Farbchips (Disboxid 948 Color-Chips) gehört sicherlich zu den bekanntesten Gestaltungselementen. Der einheitliche Grundfarbton der Beschichtung wird so aufgelockert, die Fläche wirkt strukturiert.

Die Farbchips werden vorzugsweise mit einer Trichterpistole in die frische Beschichtung eingeblasen und nach der Trocknung mit einer farblosen Kopfversiegelung eingebunden (z.B. Disbopur 458 PU-AquaSiegel). Bei rauen oder strukturierten Untergründen ist das Einstreuen von Farbchips nicht möglich. Ein ähnlicher Effekt lässt sich jedoch durch das „Tröpfeln“ mit andersfarbigen Harzen erzielen. Die Tröpfeltechnik kann auf abgestreuten wässrigen und reinen Epoxidharz-Systemen eingesetzt werden (z.B. Einstreubeläge mit den Produkten Disbopox 453 Verlaufschicht und Disboxid 421 E.MI Coat aber auch Disboxid 467 E.MI Hartkornschicht.)

Für die Tropfen wird Disbopox 447 E.MI Wasserepoxid verwendet. Dazu wird das angemischte Material in Plastik-Schraubdeckeldosen gefüllt. In den Dosendeckel werden 5 – 6 Löcher mit einem Durchmesser von 2-3 mm gebohrt. Bei leichtem Druck auf die mit den Löchern zur Bodenseite gewandte Dose tropft das Material auf den Boden. Ausgerüstet mit Stachelschuhen wird die zu bearbeitende Fläche abgegangen und gleichmäßig gestaltet. Für einen mehrfarbigen Effekt wird der Arbeitsgang entsprechend wiederholt.

Bodengestaltung - Spritzen

Bei großen Flächen kann die Tröpfeltechnik auch mit einer Farbspritzpistole ausgeführt werden. Die Luftzufuhr der Spritzpistole muss so eingestellt werden, dass eine gleichmäßige Sprenkelstruktur entsteht (z.B. Chiron-Spritzpistole 3,5 Millimeter ohne Verwirbelungsdüse).

Lasurtechnik auf dem Boden

Eine effektvolle und hochwertige Alternative stellt das Disboxid ArteFloor-System dar, bei dem eine Lasurtechnik auf den Boden aufgebracht wird. Der fachgerecht vorbehandelte Untergrund wird mit einer farblosen EP-Imprägnierung (Disbopox 443 EP-Imprägnierung) grundiert und mit Disbopox 447 E.MI Wasserepoxid zwischenbeschichtet. Dem Wasserepoxid werden ca. 5 – 10 % Disboxid 942 Mischquarz beigemischt, um eine feinrauhe Oberfläche für den nachfolgenden Lasurauftrag zu erhalten. Der Lasurauftrag mit der Capadecor Arte-Lasur erfolgt vorzugsweise mit einer Versiegelerbürste, nach 5-10 Minuten wird das Material dann mit einer trockenen Bürste verschlichtet. Die Deckversiegelung erfolgt mit dem Material Disboxid 422 E.MI ClearCoat in einer Schichtstärke von 0,8 - 1 mm. Je nach Anforderung kann eine zusätzliche rutschhemmende oder glatte Deckversiegelung aufgebracht werden. Die Vielzahl an Farbkombinationen, die das Caparol 3D-System beinhaltet, ermöglicht dabei höchst individuelle Farbigkeiten. In Kombination mit der Gestaltung der Wandflächen lassen sich so interessante Raumstimmungen erzielen.


Auch freie Gestaltungen sind mit Reaktionsharzbeschichtungen möglich. Ein beeindruckendes Beispiel ist der CocoonClub in Frankfurt. In der „inBetween Lounge“ hat der Wiesbadener Künstler Marcus Wasse Boden und Wände nach eigenen Entwürfen mit Kirschblüten-Motiven ausgemalt. Der kugelgestrahlte Estrich wurde zunächst mit Disbopox 443 EP-Imprägnierung grundiert und dann mit der diffusionsfähigen Disbopox 453 Verlaufschicht beschichtet. Auf der ausgehärteten Verlaufschicht erfolgte die künstlerische Gestaltung mit Pinsel und Rolle, die ähnlich wie bei dem ArteFloor-System, mit einer Klarschicht versiegelt wurde. Auf diese Weise entstand eine widerstandsfähige Oberfläche, die die Gestaltung vor mechanischen Beschädigungen schützt.

Effektvolle „Streifentechnik“

Interessante Effekte lassen sich auch mit der „Streifentechnik“ erzielen. Hier wird die Beschichtung  (z.B. Disboxid 421 E.MI Coat) in einem Grundfarbton als Verlaufbeschichtung aufgebracht. Zur Gestaltung werden in die frisch beschichtete Fläche andere Farbtöne des gleichen Materials in Schlangenlinien mit einem kleinen Eimer oder einer Kanne aufgegossen. Um die Streifenoptik zu erhalten wird mit einer 5 – 6 mm Zahnleiste dann durch die Fläche gezogen.

Bodengestaltung - Spachteln

Die Führung der Zahnung bestimmt die Richtung der Streifen, entweder nur in eine Richtung, im Kreuzgang oder in Wellen. Wenn oft durch die Fläche gezogen wird, werden die Streifen undeutlicher. Ein zusätzlicher Effekt ist möglich, wenn die Fläche mit der Stachelwalze bearbeitet wird, da die verschiedenen Farben dann punktuell weiter getragen werden.

Die Ausführung dieser Technik erfordert vom Handwerker einige Übung, da nachträgliche Korrekturen nicht möglich sind. Durch die nass-in-nass Verarbeitung ist eine optimale Verbindung der unterschiedlichen Farbtöne gewährleistet. Aufgrund der guten selbstverlaufenden Eigenschaften entsteht eine gleichmäßige und ebene Oberfläche. Eine zusätzliche Kopfversiegelung wie bei der nachträglichen Bemalung ist nicht zwingend erforderlich. Zur Erhöhung der Verschleißfestigkeit oder zum Erzielen einer rutschhemmenden Oberfläche kann jedoch auch hier eine farblose Kopfversiegelung aufgebracht werden. Bei der Gestaltung von Bodenflächen sind der Kreativität der Handwerker kaum Grenzen gesetzt.

Tabelle: Gestaltungsmöglichkeiten auf Bodenflächen
Gestaltungsmöglichkeiten auf Bodenflächen