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Sonne pur am Himmel – das freut eigentlich jeden Handwerker, der Fassaden beschichten will. Arbeit ohne unliebsame Unterbrechung, keine Angst vor Abregnung versprechen einen schönen Arbeitstag. Doch auch das hat einen Haken. Zu starke Sonneneinstrahlung heizt Fassadenoberflächen auf, was schnell wieder zu anstrichtechnischen Problemen führen kann.
Welche Temperaturen verträgt also eine Beschichtung noch? Wo liegen die Grenzen? Gibt es hier Hinweise in den allgemein anerkannten Regeln der Technik?
Beschichtungsstoffe halten relativ hohe Temperaturen aus, ohne in Mitleidenschaft gezogen zu werden. So können sich dunkel gestrichene Fassaden ohne negative Auswirkungen für die Beschichtung auf bis zu 60 bis 70 °C aufheizen. Zudem werden vergleichbare Beschichtungsstoffe industriell häufig mit entsprechend hohen Temperaturen im Herstellprozess verarbeitet, ohne dass es hier zu Schäden käme.
Der handwerklichen Verarbeitung sind dennoch Grenzen gesetzt. Um größere zusammenhängende Flächen optisch qualitativ hochwertig zu beschichten, muss die höchst mögliche Verarbeitungstemperatur im Blick behalten werden.
Die Temperatur beeinflusst gerade Verarbeitungseigenschaften wie Offenzeit, Aufbrenn- und Ausbesserungsverhalten, Verlauf oder Farbton. Auch begrenzen die verwendeten Bindemittel wie Dispersion oder Wasserglas (Silikat) die mögliche maximale Verarbeitungstemperatur unterschiedlich.
Welche Voraussetzungen verlangen die allgemein anerkannten Regeln der Technik?
Grundsätzlich gibt es eine Aussage in der DIN EN 1062 „Beschichtungsstoffe - Beschichtungsstoffe und Beschichtungssysteme für mineralische Substrate und Beton im Außenbereich“ – und zwar im Anhang A unter Punkt A.6.2. (Unterpunkt d).
„Sofern nicht vom Hersteller im Produktdatenblatt speziell erwähnt, können Beschichtungsstoffe nicht unter den folgenden Witterungsbedingungen aufgetragen werden:
- auf gefrorenen Substraten
- im Fall von nicht geschützten Substraten bei Regen oder Nebel
- auf feuchten Substraten
- bei starkem, heißem oder trockenem Wind
- wenn die Temperatur des Substrates über 35 °C liegt
- ohne speziellen Schutz bei Temperaturen unter 5 °C.“
Die VOB schreibt in der DIN 18363 (Teil C) unter Punkt 3.1.11: „Bei ungeeigneten klimatischen Bedingungen, z. B. bei der Beschichtung mit Dispersionslackfarben eine relative Luftfeuchte von über 80 % oder Oberflächentemperaturen unter 8 °C, sind besondere Maßnahmen zu ergreifen. Die zu treffenden Maßnahmen sind ‚Besondere Leistungen‘ (siehe Abschnitt 4.2.3)."
Im BFS-Merkblatt Nr. 9 „Beschichtung auf mineralischem Außenputz“ des Bundesverbandes Farbe und Sachwertschutz wird unter dem Punkt „Applikationsbedingungen“ erläutert:
„Bei und unmittelbar nach der Applikation muss die Fassadenbeschichtung vor Niederschlägen/Betauung gegebenenfalls auch vor starker Erwärmung durch Bestrahlung geschützt werden. ...“
Daraus ergibt sich folgendes:
Nicht die Lufttemperatur ist entscheidend, sondern die Oberflächen- bzw. Substrattemperatur. Die erwähnte Obergrenze in der DIN EN 1062 ist daher auf der Fassadenoberfläche zu ermitteln. Das Temperaturmaximum gilt für die Verarbeitung und Trocknung der Beschichtung. Die Oberflächentemperatur ist natürlich auch farbtonabhängig. Das gilt für den vorhandenen Untergrund und die aufzutragende Beschichtung. Die Temperatur der Oberfläche kann daher weit höher als die eigentliche Lufttemperatur sein.
Wichtig ist auch zu bedenken, dass eine Beschichtung ausreichend austrocknen kann. Ein zu schneller Wasserentzug wird den Abbindeprozess negativ beeinflussen. Zum Beispiel härten Silikatfarben chemisch bei zu schnellem Wasserentzug nicht ausreichend aus. Das verbleibende nicht gebundene und weiterhin wasserlösliche Wasserglas kann bei späterem Regen ausgewaschen werden, was zu Verätzungen etwa auf Glasscheiben führt.
Das zeigt, dass eine allgemeinverbindliche Lufttemperatur nicht festgelegt werden kann. Die Entscheidung, ob gestrichen werden kann oder nicht, obliegt dem Verarbeiter. Nur er weiß die Objektbedingungen einzuschätzen und diese evtl. positiv zu beeinflussen. Möglichkeiten hierfür sind zum Beispiel:
- mit den Arbeiten frühzeitig morgens beginnen
- keine aufgeheizten Oberflächen beschichten, vor der Sonne her streichen
- Trocknungszeiten im Hinblick auf die spätere Sonnenbelastung beachten
- dunkle Farbtöne eher nicht streichen
- beobachten, ob Wasser zu stark verdunstet
- Untergründe ausreichend grundieren, so dass keine zusätzliche Feuchtigkeit aus der Beschichtung in den Untergrund abwandert und die ohnehin gegebenen Effekte bei der Verarbeitung unter höheren Temperaturen noch verstärkt.
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