Architekturpreis Farbe - Struktur - Oberfläche
Hild und K Architekten BDA
Projekt: Bayerisches Forschungs- und Technologiezentrum für Sportwissenschaften, München


Das Bauwerk ist als dreigeschossige Stahlbetonkonstruktion aus Ortbeton mit einer Unterkellerung in Teilbereichen konzipiert. Um auf Nutzungsänderungen flexibel zu reagieren, erfolgt der Ausbau in Trockenbauweise. Das Gebäude ist in drei Bauteile gegliedert: in einen östlichen und einen westlichen Kopfbau und einen Mitteltrakt für die Labor- und Büronutzungen. Die heterogene Nutzung des Gebäudes durch die stark unterschiedlichen Aufgabengebiete der Lehrstühle hat zur Planung des Gebäudes mit unterschiedlich hohen Geschossen geführt. Sie reagiert damit auf die nutzungsspezifischen Notwendigkeiten der Einzelräume, nach denen diese geschoßweise zusammengefaßt sind. Der Hauptzugang des Gebäudes liegt auf der Südseite des nicht unterkellerten östlichen Kopfbaus. Über das nordöstliche Treppenhaus sind die in den Ebenen 2 und 3 gelegenen öffentlichen Bereiche wie die Seminarräume mit ihren zugehörigen Nebenräumen zu erreichen.

Die feststehenden Sanitäreinheiten und das zur Fluchtwegsicherung notwendige zweite Treppenhaus befindet sich im kleineren westlichen Kopfbau, der auch den Lasten- und Personenaufzug aufnimmt, über den die Labor- und Büroräume auch für Behinderte schwellenlos erreichbar sind. Die Anlieferung der Laborräume insbesondere die Belieferung der physikalischen Labore des Lehrstuhls für Sportgerätetechnik und -materialien erfolgt über die Gebäudewestseite.
Zwischen den beiden Kopfbauten liegt ein circa 50 Meter langer Mitteltrakt, der die Labor- und Büroräume der einzelnen Lehrstühle aufnimmt. Dieser Bereich besteht aus unterzugslosen Flachdecken, die auf den tragenden Außenwänden und einer Stahlbetonstützenreihe aufliegen. Durch diese Konstruktion entstehen größere stützenfreie Bereiche, die für Umnutzungen flexibel gestaltet werden können.

Fassade

Die Gliederung der Fensterteilung nimmt Bezug auf ein Rastersystem in 1.20-Meter-Abständen und erlaubt auch bei zukünftigen Umbauten eine wirtschaftliche Grundrißorganisation der Raumteilungen. Die unter Fensterbänken geführten Brüstungskanäle entlang der Gebäudelängsseite erlauben flexible Elektroinstallationen.

Die Varianz der Fassade wird über die unterschiedliche Geschossigkeit des Gebäudes erzeugt und durch eine Lasur-Maltechnik auf der Außenhaut unterstützt. Wie ein feines Gespinst werden unterschiedliche Lasurlagen miteinander verwoben und erzeugen eine transparente Erscheinung des Massivbauwerks.
Um das Gebäude in seine Umgebung einzupassen wird die Farbgestaltung an die Umgebung angepaßt, indem sie sich auf den Landschaftsgedanken der weitflächigen Sportanlage und des Olympiageländes bezieht.

Konstruktion

Die Fassade des Stahlbeton-Gebäudes ist als Raster-Lochfassade konzipiert und erhält allseitig ein Fassadendämmputzsystem mit eingesetzten isolier-verglasten Metallfenstern, um aus Kostengründen auf eine aufwändige Fassadenkonstruktion zu verzichten. Statt dessen ist beabsichtigt, die Putzoberflächen des Fassadendämmsystems in Anlehnung an den Bestand der ZHS zu gestalten und die rasterartige Lochfassade mit einer kleinflächigen Gliederung des Außenanstrichs zu überlagern.

Innenraum

Der Innenausbau erfolgt im Trockenbausystem welches im flexibel einteilbaren Mitteltrakt des Gebäudes auf einfache Art Nutzungsänderungen zuläßt. Massivwände sind nur im Bereich der Erschließung und der zentralen Installationsführungen vorgesehen, um den erforderlichen Brandschutz wirtschaftlich mit geringerem Aufwand zu gewährleisten. Tragende Wandbauteile sind als Sichtbetonflächen konzipiert. Als solche bieten sie einen Ausgleich an Speichermasse gegenüber den Trockenbauwänden des Innenausbaues. Mittel für die Ausstattung wurden nur für die notwendigen Festeinbauten vorgesehen. Die Ausstattung der Räume erfolgt im wesentlichen durch den Nutzer.