Der Instandsetzung von Fachwerkfassaden, ihrer nachträglichen Dämmung und den Perspektiven innovativer Dämmstoffe widmete sich der 13. Caparol-Werkstofftag am 4. November 2010 in Ober-Ramstadt. Zu dem etablierten Branchenforum im Haus des Handwerks kamen über 120 Teilnehmer, darunter die „technische Elite“ des Maler- und Stuckateurhandwerks. In den Fachreferaten anerkannter Experten sowie erstmals auch in Form von Workshops erfuhren die Teilnehmer, welche Lösungen sinnvoll, praktikabel und in der Praxis bewährt sind, aber auch, welchen Grenzen die Materialien und Verfahren unterliegen.
Der Caparol-Werkstofftag 2010 stand ganz im Zeichen der Instandsetzung von Fachwerkfassaden |
Dr. Ralf Murjahn von der Caparol-Unternehmensleitung, der die Werkstofftag-Teilnehmer begrüßte, konnte seinen Gästen positive Nachrichten überbringen. Die Binnenkonjunktur biete Caparol und dem Handwerk derzeit gute Voraussetzungen. Daher werde das Unternehmen im nächsten Jahr stark investieren mit dem Ziel, weiter zu wachsen.
Holger Haring, Vorsitzender des Ausschusses für Technik Werkstoff Umwelt beim Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz, erinnerte an eine bereits im Jahr 1993 geführte Generaldebatte zum Thema Fachwerk, ausgelöst von Berichten der Boulevardpresse, die unterstellten, mit dichten Anstrichen das Fachwerk zu zerstören. Eine EnEV 2009 habe damals keiner der Experten im Entferntesten für möglich gehalten, meinte Haring: „Heute diskutieren wir über die nachträgliche Wärmedämmung von Fachwerkaußenwänden.“
Den aktuellen Sachstand zur Fachwerkbauweise aus Sicht des Handwerks legte der Sachverständige und Malermeister Michael Eichler dar. Fachwerk funktioniert demnach nicht ohne ausreichenden Schutz. Je älter das Fachwerk sei, desto mehr wurde es konstruktiv geschützt, blickte Eichler in die Baugeschichte zurück. Stark bewitterte Gebäudeteile seien unbedingt zu verkleiden. Auch wenn eine Beschichtung in den seltensten Fällen ursächlich für Schäden sei: „Mit Beschichtungen muten wir dem Fachwerk einiges zu, was es uns manchmal übel nimmt“, merkte Eichler an. „Wir können mit einem Anstrich nichts korrigieren, was konstruktiv falsch gemacht wurde“, bestätigte Franz Xaver Neuer, Technischer Leiter bei Caparol und Moderator des Werkstofftags.
Auf schlechte Erfahrungen mit so genannten „Pinselsanierungen“ verwies auch der Diplom-Ingenieur für Holzbautechnik Uli Thümmler. Er führt ein Ingenieurbüro für Holzbau und Bauwerkserhaltung und erläuterte beim Werkstofftag die konstruktiven Eigenheiten der Fachwerkbauweise. Insbesondere erklärte er, wie Bauholz ausgewählt werden sollte und wie es sich bei Feuchtigkeit verhält. Während Holzbautechniker und Zimmerer das Fachwerk stets konstruktiv betrachteten, dächten Maler und Stuckateure eher an die Beschichtung. „Wir müssen uns ergänzen“, forderte Thümmler, „darin liegen unsere Chancen.“
Fachgerechte Instandsetzung
Wie Sichtfachwerk sachgerecht instandgesetzt wird, darüber referierte Dr. Christian Brandes (Caparol-Baudenkmalpflege). Im anschließenden Workshop stellte er in der Praxis bewährte wie auch neuartige Lösungen vor. Hohe Elastizität, Wetterbeständigkeit und ein Wasserdampfdiffusionswiderstand (sd-Wert) von kleiner gleich 0,5 m – diese Anforderungen definierte Dr. Brandes für Holzbeschichtungen. Selbst eine nach diesen Kriterien formulierte Beschichtung helfe jedoch nicht, wenn das Holz nicht konstruktiv geschützt sei und deshalb hinterfeuchtet werde. Während sich Wetterschutzfarben und Leinölfarben in der Praxis bewährt hätten, seien Alkydharzlacke zu dicht und zu spröde und damit als Beschichtung nicht geeignet. Geeignet für die Gefachrenovierung sind vor allem Kalkputze und hydraulische Kalkputze, auf keinen Fall jedoch Zementmörtel. Breite, wasserführende Risse im Holz werden traditionell mit trockenen Holzleisten ausgespänt. Das hat sich bewährt. Risse und Anschlussfugen mit dauerelastischen Dichtstoffen wie Acryl oder mit spröden Materialien wie Acrylspachtel zu schließen, funktioniert hingegen nach Angaben von Dr. Brandes nicht. Mit der leinölgebundenen, faserverstärkten Füllmasse Histolith Sanopas, die Caparol exklusiv im Programm hat, stellte er jedoch ein innovatives Verfahren zur Rissfüllung vor, das sich durch hohe Elastizität, dauerhafte Flankenhaftung und Überstreichbarkeit auszeichnet. Auch wenn diese Variante inzwischen von vielen Praktikern mit Erfolg angewendet werde, stellte Dr. Christian Brandes auch klar: „Es muss nicht jeder Riss verschlossen werden.“ Bei so genannten totlaufenden Rissen reiche es, diese mit geeigneten Farben möglichst tief auszustreichen.
Bauphysik und die Dämmung von Fachwerk
Fehlenden oder nachlassenden Feuchteschutz benannte auch Jürgen Gänßmantel in seinem Vortrag und Workshop als hauptsächliche Schadensursache. Der Inhaber eines Ingenieur- und Sachverständigenbüros ist Mitbegründer des Referats 8 „Fachwerk/Holzbauten“ bei der Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA). Der Feuchteschutz erhöht nach seinen Worten deutlich die Haltbarkeit des Fachwerks. Speziell für Sichtfachwerk definierte er: „Wenn die Feuchte, die eindringt, auch wieder austrocknen kann, entsteht kein Problem.“ Der einfachste und beste Feuchteschutz ist der konstruktive Schlagregenschutz.
Vor dem Hintergrund gestiegener Ansprüche an den Wohnkomfort und erhöhter Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) ist das Dämmen von Fachwerk zunehmend ein Thema. „Man kann mit verträglichen Dämmstoffdicken schon viel erreichen“, erläuterte Gänßmantel und riet damit von übertrieben hohen Dämmstärken ab. Die EnEV 2009 sei nicht immer einzuhalten. Befreiungen von der EnEV können ausgesprochen werden bei Denkmalen oder wenn Dämmmaßnahmen für den Bauherren eine unbillige Härte darstellen. Diese ist zum Beispiel gegeben, wenn eine nach EnEV geforderte Dämmstärke erwiesenermaßen unwirtschaftlich ist.
Als Möglichkeit für die Außendämmung stellte Gänßmantel Wärmedämmputz, Wärmedämm-Verbundsysteme sowie vorgehängte, hinterlüftete Fassaden vor. Voraussetzung für eine Innendämmung der Außenwände, die in letzter Zeit immer häufiger diskutiert wird, sei ein ausreichender Schlagregenschutz. Bei der Innendämmung empfahl er dringend, sich auf ein „vernünftiges Maß“ zu beschränken. Um die maximale Dämmstärke zu berechnen habe sich die Faustregel „0,8 x Wärmeleitfähigkeit (W/mk)“ bewährt. Diese in Kombination mit einem diffusionsoffenen Aufbau unter Einsatz kapillar leitfähiger Dämmstoffe biete „die Chance, eine Fachwerkaußenwand verlässlich innen zu dämmen“. Die hierfür eingesetzten geeigneten Dämmplatten müssten jedoch stets hohlraumfrei verklebt werden. Eine Art Renaissance erlebe daher der klassische Wärmedämmputz, weil er sich unebenem Putzgrund hohlraumfrei anpasst. Auch wenn die Innendämmung heute sicherer in der Anwendung funktioniere als noch vor einigen Jahrzehnten: Speziell bei Fachwerk, so Gänßmantel, seien die Auswirkungen der Dämmung auf viele Details wie etwa den in der Außenwand liegenden Balkenköpfen noch nicht abschließend geklärt.
Exkurs: Innovative Dämmung
Welche Innovationen die Hersteller von Dämmstoffen in jüngster Zeit auf den Markt gebracht haben, berichtete der Leiter des Dr. Robert-Murjahn-Instituts, Dr. Engin Bagda. Interessant war für die Teilnehmer zu erfahren, auf welchen Mechanismen die Dämmwirkung von Schaumdämmstoffen beruht. Bei EPS-Dämmstoffen sei es mit dem Zusatz von Graphit („graue Platte“) gelungen, die Wärmeleitfähigkeit zu verringern. Allerdings seien die EPS-Hersteller inzwischen wohl an den Grenzen des Machbaren angekommen. Ob Vakuumisolationspaneele (VIP) oder auch innovative Schäume mit verringerter Wärmeleitfähigkeit: „Es kommt darauf an, wie sie einen solchen Hochleistungsdämmstoff an die Wand bekommen“, setzte Dr. Bagda mit Blick auf die Anwendungspraxis einige Fragezeichen.
Den Fragen der Praxis stellte sich Oliver Berg, Leiter Fassaden- und Dämmtechnik bei Caparol, im Dämmstoff-Workshop. Im neuen Fassadentechnikum präsentierte er einige der innovativen Dämmstoffe, die man bei Caparol auf Herz und Nieren überprüft hat. EPS charakterisierte er als „gutmütigen“ Dämmstoff, der sich in der Praxis bewährt hat. Den Einsatz von Platten aus Phenolharz bezeichnete er hingegen als „noch nicht ausgereift“. Caparol erteilt die Freigabe daher bislang nur für eng umgrenzte Bereiche, die keinen hygrischen Belastungen ausgesetzt sind und in denen geringe Dämmstärken von Bedeutung sind. Als Beispiele nannte er Fensterleibungen, Loggien, enge Durchfahrten oder Dachgauben. Als Studie stellte Oliver Berg ein Sandwich-System aus der gesprenkelten EPS-Platte „Dalmatiner“ und Polyurethanschaum (PUR) vor. Diese Kombination verhalte sich in der Verarbeitung fast wie ein klassisches EPS-System und könnte daher Chancen auf dem Markt haben. Anders seine Einschätzung zu einer weiteren Studie, bei der Entwickler Vakuumisolationspaneele mit Dalmatiner-EPS zu Sandwich-Elementen verbunden und an Testobjekten erprobt hatten. Neben den hohen Kosten des Dämmstoffs spricht vor allem die geringe Praxistauglichkeit – der Dämmstoff ist nicht schneidbar und erfordert einen aufwändigen Verlegeplan – dagegen, dass sich ein derartiges System am Markt durchsetzen wird. Der 14. Caparol-Werkstofftag findet am 3. November 2011 in Ober-Ramstadt statt.
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