Unsere Referenzen auf einen Blick
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Mit Flugdächern und frischen Farben gegen Leerstand



So ergab eine Prognose der Wohnungsmarkt- Entwicklung bis zum Jahr 2015 einen rechnerischen Überhang von 10.000 Wohnungen, wenn es nicht gelingt, mit geeigneten Strategien gegenzusteuern. Durchgesetzt hat sich die Auffassung, daß der Abriß von Wohnbauten kein Tabu mehr ist, um Wohnungsbestand und Infrastruktur an die zu erwartende geringere Nachfrage anzupassen. Dabei sollen die von Bund und Ländern aufgelegten Förderprogramme genutzt werden.
Der Bremerhavener Baudezernent Volker Holm verweist in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit, solche Schrumpfungsprozesse als Chance für eine qualitative Verbesserung im städtischen Organismus zu begreifen. So gehe es in der zum Bestand der Städtischen Wohnungsgesellschaft Bremerhaven m.b.H. (Stäwog) gehörigen Siedlung an der Ringstraße in Wulsdorf eben nicht nur um den Abriß leerstehender Wohnhäuser, sondern im gleichen Atemzug um das Ausprägen im Ansatz vorhandener positiver Strukturen und eine Aufwertung des Wohngebiets. Neben dem Herrichten freigewordener Flächen für den Einfamilienhausbau und Modernisierungs-Maßnahmen gibt es bei der Stäwog Überlegungen, eine modellhafte Altenpflege-Einrichtung zu schaffen.

Die Städtische Wohnungsgesellschaft Bremerhaven mbH sieht seit der Gründung im Jahr 1941 ihre zentrale Verantwortung in einer sozialverträglichen Wohnungsversorgung breiter Bevölkerungskreise. Mit einem Bestand von etwa 6.000 Wohnungen spielt sie beim Umsetzen kommunaler Wohnungspolitik eine wichtige Rolle. Die Stäwog hat sich den Grundsatz zueigen gemacht, mit der Realisierung ihres langfristigen Sanierungsprogramms immer zugleich Stadtentwicklung zu betreiben.

Neben dem eigenen Bestand verwaltet sie auch Wohnungen von Eigentümergemeinschaften und Einrichtungen der öffentlichen Hand. Viele Millionen Euro fließen jährlich in Instandsetzen, Sanieren und Modernisieren des vielschichtigen Wohnungsbestandes, wobei vor allem das ortsansässige Handwerk zum Zuge kommt.

Als Vorteil erweist sich dabei die Verteilung der Wohnungen über die ganze Stadt. So entstanden am Standort Wulsdorf im Hinterland des Fischereihafens in den 50er Jahren dreigeschossige Wohnhäuser mit Flachdächern, die mit ihrer einfachen Bauweise in erster Linie das Bedürfnis nach preiswertem Wohnen befriedigten und auf jeden Komfort verzichteten. Zu Beginn der 90er Jahre wurden wertverbessernde Maßnahmen wie Austausch der Fenster, Fassadendämmung und Wohnungszusammenlegungen vorgenommen, die zwar Defizite ausglichen, aber nur marginale Verbesserungen erbrachten.

Gegen den Leerstand

Mehr Wohnkomfort boten die später in unmittelbarer Nachbarschaft errichteten fünf- und mehrgeschossigen Klinkerbauten mit Laubengängen. Sie erwiesen sich jedoch dem rauhen Seeklima gegenüber als anfällig, so daß Schäden nicht lange auf sich warten ließen. Was Wunder, daß von den rund 450 Wohneinheiten des Quartiers im Jahr 2000 fast hundert leerstanden, was die Städtische Wohnungsbaugesellschaft Bremerhaven zu einer gründlichen Analyse seiner Marktfähigkeit veranlaßte.

Seit gut vier Jahren befaßt sich Architekt Hans-Joachim Ewert mit der Materie. Er sieht im Erhalt städtischer Strukturen eine lohnende Aufgabe. Seine Ideenentwürfe zielen nicht nur auf das Verändern der baulichen Gegebenheiten, sondern auf ein technisch wie sozial funktionierendes Wohnquartier ab, das von allen Bewohnern angenommen wird. „Unsere Verantwortung als Städtische Wohnungsgesellschaft besteht nicht zuletzt darin“, so Ewert, „Generationen eine Heimat zu geben.“

Dabei spiele der Abriß von leer stehenden Wohnhäusern zwar eine wichtige Rolle. Die Perforierung der Stadtstruktur dürfe man aber nicht einfach dem Zufall oder dem Markt überlassen, sondern müsse durch unkonventionelle Ideen steuern. Dank langfristiger Vorarbeit fand das „Projekt Wulsdorf“ Aufnahme in die Förderprogramme „Soziale Stadt“ und „Stadtumbau West“. Nur unter deren Zuhilfenahme - so die Auffassung der Stäwog-Verantwortlichen - ist eine über den bisherigen Rahmen hinausgehende Stadterneuerung überhaupt erst möglich.

Nägel mit Köpfen gemacht

In Wulsdorf hatten die tristen Wohnblocks des sogenannten Schlichtbauprogramms aus den 50er Jahren längst ihre Anziehungskraft auch auf weniger zahlungskräftige Mieter verloren. Wo sich die Eltern noch wohlgefühlt hatten, winkten die Kinder ab. Das Erscheinungsbild der Häuser ließ zu wünschen übrig, und die Wohnungsgrundrisse entsprachen in keiner Weise heutigen Ansprüchen, was zu einem überdurchschnittlichen Leerstand führte. Weil ein wirtschaftliches Sanieren auf Grund der geringen Gebäudetiefe nicht in Frage kam, fiel die Entscheidung zugunsten des Abrisses von zwölf Häusern mit rund 6.000 Quadratmetern Wohnfläche, um das freiwerdende Grundstückspotential für eine qualitativ höherwertige Bebauung zu nutzen.

Der Abriß machte Platz für das Errichten von Eigenheimen und Reihenhäusern. Von den betroffenen Mietern blieben mehr als 80 Prozent der Städtischen Wohnungsgesellschaft treu und rund 60 Prozent ihrem Wohngebiet. Dieser starken Bindung trägt die Wohnungsgesellschaft auch mit dem Modernisieren von sanierungsfähigen Geschoßwohnbauten Rechnung. Über viele Jahre hinweg war besonders deren ausdrucksloses Flachdach Stein des Anstoßes gewesen. Es hatte dem Wulsdorfer Ortsteil im Volksmunde den Namen „Flachdachhausen“ eingetragen.

Deshalb schwebte den Fachleuten der Stäwog ein geneigtes Dach vor, mit dem die Häuser aus ihrer Unscheinbarkeit befreit und ein unverwechselbares Gesicht erhalten sollten. Als attraktive und preiswerte Lösung erwies sich ein überstehendes Flugdach aus 3-Streben-Bindern, das vor allem im Industrie- und Landbau Verwendung findet. Nach überschlägigen Berechnungen wäre ein Sanieren der vorhandenen Flachdächer weitaus teurer gekommen als die Neubedachung.

Frische und Ausstrahlung

Die Binder wurden vom Hersteller angeliefert, per Kran auf die vorhandene Dachkonstruktion gehoben und mit Wellzementplatten gedeckt. Durch ihre offene Bauweise verleugnen die belüfteten Kaltdächer ihre industrielle Herkunft nicht. Beim Farbentwurf machte die Wohnungsgesellschaft vom Service des Caparol-Farbdesignstudios in Ober-Ramstadt Gebrauch. Seine Vorschläge wurden an Ort und Stelle geprüft und den Gegebenheiten angepaßt. Hölzer und Blenden der Dachkonstruktion erhielten einen Anstrich mit Capadur Color- Wetterschutzfarbe in den Farben Gelb und Blau. Letztere wird von einem Fassadenband im Hofbereich aufgenommen. Damit ist es gelungen, dem Baukörper nicht nur eine andere Dimension, sondern auch Frische und Ausstrahlung zu geben. Angesichts steigender Energiekosten schenkten die Experten den Fassaden besondere Aufmerksamkeit. Sie waren im Zuge des Um- und Ausbauprogramms in den 90er Jahren mit einem Wärmedämm-Verbundsystem ausgestattet worden.

Eine sorgfältige Analyse, in die auch Erfahrungen von Caparol einflossen, erbrachte den Befund, daß es insbesondere Schäden in der Dämmung und an den Fensterbänken auszubessern galt, wofür im Capatect-Sortiment geeignete Materialien zur Verfügung standen. Gute Erfahrungen bei früheren Bauvorhaben veranlaßten das Wohnungsunternehmen, beim Fassadenanstrich der Spezialbeschichtung Thermosan den Vorzug zu geben, die nicht nur Schwundrisse überdeckt, sondern auch die Verschmutzungsneigung deutlich reduziert. Bei der Farbwahl ließ sich der Architekt von der Tautschen Hufeisen-Siedlung inspirieren und setzte die kräftigen Töne im Dach- und Drempelbereich in Kontrast zu weißen Grundflächen an den Fassaden. Dieses Spannungsfeld soll auch in den Treppenhäusern aufgebaut werden, deren Renovierung noch aussteht.

Wohnumfeld und Infrastruktur einbezogen

Flugdächer und frische Farben sind zwar die auffälligsten Merkmale des im Wandel befindlichen Wohnquartiers. Doch die Modernisierung erfaßt auch Infrastruktur und Wohnumfeld. So bringen die neugestalteten Eingangsbereiche und Treppenhäuser mehr Licht in die Häuser, und zum Innenhof ausgerichtete Mietergärten rücken das Grün an die Häuser heran. Ein sogenannter Quartiersplatz soll künftig Handel und Wandel vorbehalten sein.

Ausgehend von der Erkenntnis, daß die aktuellen Wohnangebote eher auf die Bedürfnisse von jüngeren Menschen und Familien mit Kindern zugeschnitten sind, sieht die Städtische Wohnungsgesellschaft Bremerhaven eine wichtige Aufgabe darin, auch Älteren geeignete Angebote zu unterbreiten. Dabei komme es darauf an, so Architekt Ewert, keine reine Seniorenanlage entstehen zu lassen, sondern Altenwohnungen und -pflegeeinrichtungen in ein lebendiges Umfeld zu integrieren.

Mit dem Umsetzen ihres auf lange Sicht auf sich wandelnde Bedürfnisse ausgerichteten Modernisierungskonzeptes unterstreicht die Stäwog, daß der Schrumpfungsprozess einer Stadt nicht in eine Abbruchdebatte einmünden muß, sondern - wie Geschäftsführer Christian Bruns feststellte - die Chance zu einer positiven Entwicklung des städtischen Gemeinwesens in sich birgt. Sie zu nutzen, setzt aber voraus, das Gespräch mit den Betroffenen zu suchen und eine einvernehmliche Lösung anzustreben. Mehr als 200 Gespräche, welche die Stäwog im Rahmen der Quartierserneuerung in Wulsdorf mit Mietern führte, sorgten für die Bereitschaft, Belastungen in Kauf zu nehmen, und verhinderten Kündigungen, soziale Härtefälle oder Rechtsstreitigkeiten.

Ein Modernisierungs-Beispiel

Das Wohngebäude an der Kransburger Straße 29-31 in Bremerhaven wurde 1963 gebaut und besticht durch seine markante Architektur. Ein Treppenturm verbindet zwei parallel stehende, in der Längsachse versetzte viergeschossige Wohnblocks zu einem Gebäudezug, dessen Fassaden von winklig angeordneten, geschoßweise verspringenden Balkonen geprägt sind, während hofseitig Laubengänge das Erscheinungsbild bestimmen.

Angesichts zunehmenden Verschleißes und daraus resultierenden Leerstandes entschloß sich die Städtische Wohnungsgesellschaft Bremerhaven zu einer durchgreifenden Sanierung und Modernisierung. Die Grundidee des Architekten bestand darin, den eigenwilligen Baukörper hervorzuheben und die Laubengänge zu verglasen. Im Zuge der Baumaßnahme wurden die Fassadenteile im Bereich der Laubengänge mit einem mineralischen Capatect-Wärmedämm-Verbundsystem gedämmt, die offenen Seiten mit schuppenförmig vorgehängten Scheiben vor Wind und Wetter geschützt.

In Zusammenarbeit mit dem Caparol-Farbdesignstudio entstand ein Entwurf, der den durch die Balkongestaltung vorgegebenen Rhythmus verstärkt und dem Gebäude einen futuristischen Charakter verleiht. Bei Betoninstandsetzung, Balkonbeschichtung und Treppenhausrenovierung bedienten sich die Handwerker geeigneter Produkte aus dem Hause Caparol. Im Ergebnis der Modernisierung sind alle 60 Wohnungen vermietet.

Bauherr: Hessisches Baumanagement, Darmstadt Architekten: Arno Lederer, Jórunn Ragnarsdóttir, Marc Oei Caparol-Produkte: •Indeko-plus, Amphibolin, Capalac• Fotos: Roland Halbe/Caparol Farben lacke Bautenschutz