Unsere Referenzen auf einen Blick
Unter der Mitarbeit des Passivhaus-Institutes entstanden Neubau-Wohnungen, die nur etwa einen Liter Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr benötigen – sie sind mit einem 30 Zentimeter dicken Capatect-Wärmedämm-Verbundsystem ausgestattet.
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„Energieeffizienz ist ausschlaggebend“

Fassadendämmung lohnt sich – Ein Gespräch mit Dr. Wolfgang Feist vom Passivhaus-Institut in Darmstadt

Das Passivhaus-Institut ist ein unabhängiges Forschungsinstitut, das besonders energieeffiziente Bauteile, Komponenten und Gebäude entwickelt. Mit dem Passivhausstandard hat das Institut gezeigt, dass heute hohe Behaglichkeit mit einem verschwindend geringen Heizenergieeinsatz erreichbar ist. Darüber sprachen wir mit Dr. Wolfgang Feist, dem Leiter des Instituts.

Frage: Wie viele Passivhäuser gibt es in Deutschland und wie wird sich der Trend zum Passivhaus entwickeln?

Feist: Ganz genau kennen wir die Zahl der Passivhäuser gar nicht, denn es gibt keine offizielle Statistik, und wir kommen schon lange nicht mehr nach, alle neu gebauten Projekte zu zählen – es ist noch nicht einmal sicher, dass wir von allen Projekten erfahren, denn jeder Bauherr und jeder Architekt kann ein Passivhaus bauen – alle Planungsgrundlagen sind veröffentlicht, und die dafür benötigten Hilfsmittel werden gern zugänglich gemacht. Sicher sind es aber derzeit bereits einige Tausend Passivhäuser, und der Trend zeigt weiter nach oben.

Frage: Was kostet ein Passivhaus im Vergleich zu einem 7-Liter-Neubau mehr?

Feist: Das lässt sich nicht mit einer Zahl oder einem Prozentsatz pauschal beantworten, denn es hängt vom Typ, von der Größe und der Gestalt des Gebäudes ab. Im Durchschnitt der von uns ausgewerteten Projekte war die Investition (reine Baukosten) etwa acht Prozent höher als bei konventionellen Vergleichsbauten. Je größer die Erfahrung der Architekten mit dem Passivhausstandard wird, um so geringer fallen die Zusatzinvestitionen aus. Ein Teil der Investition wird für die Wohnungslüftung eingesetzt, die eine neue und bessere Qualität für das Gebäude bedeutet.

Frage: Was sind Passivhaus-Komponenten?

Feist: Passivhäuser benötigen nur etwa ein Viertel der in Standard-Neubauten üblichen Heizenergie. Das wird durch besonders gute Wärmedämmung, exzellente Fenster und Wärmerückgewinnung mit hohen Wärmerückgewinnungsgraden erreicht. Eine derart große Effizienzverbesserung funktioniert aber nur dann erfolgreich, wenn die eingesetzten Komponenten unter allen Gesichtspunkten wirklich die Qualität einhalten, die für ein Passivhaus gefordert wird – zum Beispiel eine vollständig wärmebrückenfreie Gebäudehülle bei einem Wärmedämm-Verbundsystem. Komponenten, die einer strenge Prüfung dieser Eigenschaften standhalten und daher den in der Praxis erfolgreichen Bau von Passivhäusern erlauben, können vom Passivhaus-Institut die Auszeichnung als „Passivhaus geeignete Komponente“ erhalten. Durch dieses Anforderungsniveau gibt es in Mitteleuropa derzeit die weltweit energieeffizientesten Fenster, Haustüren, Dämmsysteme und Wärmerückgewinnungsanlagen.

Frage: Lassen sich auch Altbauten zu Passivhäusern modernisieren? Was kostet das? Wie wirtschaftlich ist das?

Feist: Es gibt bereits Beispiele für zu Passivhäusern modernisierte Altbauten. Bezüglich der Modernisierung ist unsere Empfehlung: Jeden Altbau zu gegebenem Anlass mit bestmöglichen Komponenten nachzurüsten (zum Beispiel mit Passivhaus-Komponenten) – dabei wird nicht in jedem Fall am Ende ein Passivhaus herauskommen. In jedem Fall werden dadurch aber eine sehr hohe Energieeinsparung und eine spürbar verbesserte Behaglichkeit erreicht. Meist liegt die erreichbare Einsparung bei etwa einem Faktor 10 gegenüber dem ursprünglichen Zustand. Die Kosten hängen noch viel stärker als bei einem Neubau vom jeweiligen Gebäude und seinem baulichen Zustand ab. Ein Gebäude, das man gerade frisch modernisiert hat, wird man nicht sogleich wieder neu umbauen. Daher unser Rat: Wenn zum Beispiel ein Neuverputz fällig ist, immer in Verbindung mit der Maßnahme gleich eine sehr gute Wärmedämmung anbringen lassen. Das kostet dann nicht sehr viel mehr als die reine Putzerneuerung – und es ist richtig wohltuend wirtschaftlich, wie wir gerade in einer neuen Studie nachgewiesen haben. Das gilt auch für das Dämmen beim Dachausbau, für neue Fenster und neue Heizanlagen. „Wenn schon, denn schon“ ist die Devise. Viele ärgern sich heute bei den gestiegenen Energiepreisen, dass sie solche Gelegenheit nicht kostensparend genutzt haben.

Frage: Welcher Energiespar-Standard ist bei modernisierten Altbauten ökonomisch und ökologisch sinnvoll?

Feist: Sinnvoll ist, bei gegebenem Anlass immer ein Optimum an verbesserter Effizienz umzusetzen: Wenn schon neue Fenster eingebaut werden, dann sind heute Dreischeiben-Wärmeschutzverglasungen wirtschaftlich optimal – und die umweltfreundlichste Lösung sind sie schon seit jeher. Wenn schon eine Fassade saniert oder neu gebaut wird, dann sollte gerade an der Dämmstoffstärke nicht gespart werden. Der Wärmeschutz sollte heute bei U-Werten zwischen 0,14 und 0,18 W/(m²K) liegen. Eine komfortable und effiziente Wohnungslüftung muss ebenfalls Bestandteil einer zukunftsfähigen Modernisierung sein. Das läuft darauf hinaus, jede einzelne Komponente optimal zu verbessern – und das führt je nach Gebäudealtersklasse und Gebäudetyp auf unterschiedliche Standards bezüglich des Energieverbrauchs. Selbst wenn eine Außendämmung bei Gebäuden mit hochwertigen oder geschützten Fassaden nicht möglich sein sollte, haben wir doch durch genaue Analysen und Beispiele gezeigt, dass das „5-Liter-Haus“ fast immer erreicht werden kann (immerhin ein Faktor 4 gegenüber dem heutigen Durchschnitt bei Altbauten). Der größte Teil der Gebäude kann aber viel besser modernisiert werden – die von uns betreuten Beispiele liegen alle im Bereich von 1,5 bis 2,5 Litern je Quadratmeter Wohnfläche; das ist etwa ein Faktor 10 gegenüber dem alten Zustand. Dass dies in der Praxis funktioniert, und das haben wir mehrfach nachgewiesen, beruhigt sehr angesichts der weltweiten Entwicklungen an den Energiemärkten.

Frage: Wie sinnvoll sind Photovoltaik-Anlagen? Rechnen diese sich auch bei einem Wegfall von Fördergeldern?

Feist: Die Photovoltaik der heute am Markt eingesetzten Generation wird überwiegend aus der Förderung finanziert – das ist kein Geheimnis. Entscheidend ist im Bereich der solaren Stromerzeugung die Forschung und Entwicklung für neue, technologisch weit verbesserte Generationen von Solarzellen. Die Physik erlaubt hier umfassende Verbesserungen bei der Materialeffizienz, welche künftige Generationen der Solarzellen wirtschaftlich viel attraktiver machen werden.

Frage: Ist das Energie-Gewinn-Haus das Modell der Zukunft?

Feist: Höchste Effizienz bei der Energienutzung und Energiegewinnung aus erneuerbaren Energiequellen, soweit ökonomisch vertretbar – das ist das Motto für die Zukunft. Wieder werden dabei je nach Haustyp (und Orientierung) individuell ganz unterschiedliche Standards herauskommen; einige Energie-Gewinn-Häuser werden dabei sein, knappe Nullenergiebilanzen, aber auch bilanzielle 1- bis 3-Literhäuser. Entscheidend ist, dass in einer Region so effizient wie vertretbar mit Energie umgegangen wird und zugleich eine ansehnliche Menge an erneuerbarer Energie erzeugt wird – das muss übrigens nicht unbedingt an und in den Gebäuden geschehen; auch die Land- und Forstwirtschaft kann mit Biobrennstoffen ihren Beitrag leisten. Die Verbesserung der Energieeffizienz ist dabei ein wirtschaftlich besonders attraktiver Beitrag. Besonders interessant an Energieeffizienz und erneuerbaren Energieträgern ist, dass beides vor allem auf regionaler Wertschöpfung beruht. Neben der Sicherung der Energieversorgung leisten diese Techniken auch noch einen Beitrag zum Wirtschaftswachstum und zum Arbeitsmarkt.

Frage: Angenommen, es gäbe hierzulande nur noch Niedrigenergiehäuser – wie würde sich das auf den Energiebedarf auswirken? Ist dann mit drastischen Energiepreis-Steigerungen zu rechnen? Wenn ja, in welchem Maße?

Feist: Wenn wir die Effizienz entscheidend verbessern – das ist ein Prozess, der für seine konsequente Umsetzung zwei bis drei Jahrzehnte benötigen wird – dann können wir tatsächlich statt dem heute üblichem Durchschnittsverbrauch von um 18 Litern Heizöl je Quadratmeter auf durchschnittlich 4 oder 5 Liter herunterkommen. Das wird, ganz im Gegenteil zu der von Ihnen formulierten Frage, dazu beitragen, die Energiepreis-steigerung zu begrenzen. Die Vorräte an den heute überwiegend verwendeten kostengünstig gewinnbaren fossilen Energieträgern (Öl und Gas) sind bekanntermaßen begrenzt. Schon heute setzt ein Bieterwettbewerb um die Energielieferungen ein, der sich immer mehr verschärfen wird – China und Indien holen in rasanter Entwicklung auf, und nicht nur diese Länder werden ihren Anteil am Energiekuchen einfordern – derweil gehen die Fördermengen aus der Nordsee und in Nordamerika zurück. Hohen Komfort werden wir uns künftig nur noch dann leisten können, wenn wir ihn energieeffizient erzeugen. Und glücklicherweise stehen die Mittel dazu bereits heute zur Verfügung.

Frage: Plädieren Sie für das vermehrte Vereinbaren einer Warmmiete?

Feist: Die beste Lösung wäre es, wenn man Vermietern und Mietern einen breiteren Spielraum für vertragliche Vereinbarungen geben würde. In vielen Fällen könnte eine solche Vereinbarung auf eine Warmmiete hinauslaufen – in anderen Fällen ist aber vielleicht eine Komplettabrechnung der Energiebezüge aller Mieter sinnvoll. Die Vereinbarungsspielräume sollten an die Umsetzung einer bedeutenden Verbesserung der Effizienz gebunden sein (also bewusst nicht für schlecht gedämmte alte Häuser gelten – sie sollen bessere Effizienz nicht behindern, sondern fördern.)

Frage: Wie wird sich der gesamte Heizenergiebedarf in Deutschland in Zukunft entwickeln?

Feist: Das hängt ganz davon ab, was wir heute und morgen tun werden, um den deutschen Gebäudebestand zukunftsfähig zu machen. „Von selbst“ geschieht nur wenig; aber es spricht sich mit der Zeit herum, dass besser gedämmte Gebäude eine höhere Behaglichkeit aufweisen und dass ein besserer Schutz der Substanz resultiert. Wir haben gezeigt, dass bei beherztem Vorgehen jedes Jahr 1,5 Prozent weniger Heizenergie gebraucht werden könnte – da wären wir in etwa 30 Jahren bei der Hälfte des heutigen Verbrauches und könnten bereits einen nennenswerten Anteil aus heimischen Energiequellen decken.

Frage: Wie schnell amortisieren sich Aufwendungen in Passivhaus-Komponenten bei einem Altbau?

Feist: Sie amortisieren sich nicht „schnell“ – „schnell“ kann der gutgläubige Anleger arm werden, wenn er auf überzogene Anlageversprechungen hereingefallen ist. Es gibt Dinge, die amortisieren sich tatsächlich innerhalb von zwei Jahren („schnell“), sind dann aber bereits nach einem Jahr kaputt („noch schneller“). Bitte entschuldigen Sie diese Polemik, aber solche trügerische Hoffnung auf schnelle Gewinne, das ist eines der Grundübel der Gegenwart. Mit Komponenten der Energieeffizienz ist das ganz anders: Hier kann es nicht um schnelle Gewinne gehen, sondern es geht um eine dauerhaft kostengünstige Versorgung mit einer behaglichen Wohnung. Das kann auf zwei Wegen geschehen: Entweder, indem der Nutzer sich weiterhin den Launen des Energiemarktes aussetzt und weiter noch steigende Heizkosten Jahr für Jahr bezahlt – oder, indem etwas Kapital in die Hand genommen wird, um das Gebäude energetisch zu verbessern. Auch dann gibt es jährliche Kosten, die für Zinsen und Tilgung des Kapitals. Aber diese Kapitalkosten sind meist schon von Anfang an, zumindest aber auf Dauer niedriger als die sonst entstehenden Brennstoffkosten. Unter diesen Umständen rechnet sich eine Energieeffizienzmaßnahme. Und das ist heute bei niedrigen Zinsen und vielen besonders günstigen Angeboten gerade für die Finanzierung von Modernisierungen bei gut geplantem Vorgehen der Fall.

Ausführliche Informationen zum Thema Energieeffizienz gibt es auch im Internet unter www.daemmoffensive.de.