Unsere Referenzen auf einen Blick
Typisch für die 60er Jahre: Ein energetisch sanierungsbedürftiges Mehrfamilienwohnhaus.
1 2 3 4 5 6  
 

Neubau-Status für 40 Jahre alte Wohnbauten

Drei Mehrfamilienhäuser energetisch saniert und erweitert

An der energetischen Sanierung von nach 1950 errichteten Bauten führt kein Weg vorbei. Hier ist noch viel zu tun, da 70 Prozent aller Wohneinheiten nicht einmal die Anforderungen der ersten Wärmeschutzverordnung von 1984 erfüllen. Insbesondere die Wohnungsbaugesellschaften modernisieren diese Häuser in zunehmendem Umfang, wobei die Bestimmungen der seit 2002 gültigen Energieeinsparverordnung zu beachten sind. Wie viel Kompetenz dabei von den Beteiligten eingebracht wird, macht das Beispiel einer energetischen Sanierung von drei Mehrfamilienhäusern in Darmstadt deutlich, die in den Jahren 1961 bis 1963 erbaut wurden.

Neuer Dämmstoff

Von entscheidender Bedeutung war es, die Wärmeschutzleistung der 30 Zentimeter dicken Ziegelmauerwerks-Fassaden wesentlich zu erhöhen. Das gelang durch Einsatz eines Wärmedämm-Verbundsystems, das mit neu entwickelten Dämmplatten ausgestattet ist, die nicht nur der Wärmeleitgruppe (WLG) 035 entsprechen, sondern auch aufgrund ihrer thermischen Unempfindlichkeit ein rationelles und fachgerechtes Verarbeiten leicht machen (Dalmatiner-Dämmplatten aus Polystyrol). Eingesetzt wurden zehn Zentimeter dicke Capatect-Dämmplatten auf rund 1800 Quadratmetern Fassadenfläche. Aufgrund der WLG war es möglich, damit im Vergleich zu weißen Polystyrolplatten eine um 12,5 Prozent höhere Wärmedämmleistung zu erreichen. Abgerundet wurde die Reduzierung der Wärmeverluste durch den Einbau neuer Fensterelemente und Balkontüren mit einem U-Wert von 1,3 W/m²k. Das bewirkt darüber hinaus eine Verbesserung des Schallschutzes (Fenster SSK 3 mit 32 dB, Wirkung der Dalmatiner Dämmplatten) für die Wohnungen im von Fluglärm belasteten Rhein-Main-Gebiet.

Energie sparend ist auch die neue Heizungstechnik ausgelegt. Statt vieler Einzelkamine durchdringt nur noch ein kleines Abgasrohr die Dachhaut. Die bisherigen Einzelöfen wurden durch eine fortschrittliche Gas-Brennwertheizung ersetzt, die alle drei Häuser versorgt. Durch den gleichzeitigen Einsatz eines Klein-Blockheizkraftwerkes wird der CO2-Ausstoß zusätzlich reduziert.

Interdisziplinäre Planung

Eigentümer der drei Wohnhäuser ist die bauverein AG. Mit der Projektleitung beauftragte sie ihren Mitarbeiter Dipl.-Ing. Oliver-C. Schatull, der mit dem auf energiebewußtes Bauen spezialisierten Architekturbüro Helmut Dörfer (Frankfurter Straße 18, 64293 Darmstadt) zusammenarbeitete. Es entwickelte unter Verwendung modernster Technologien im Planungsprozeß eine maßgeschneiderte Lösung. Hierzu Dipl.-Ing. Dörfer: „Unsere interdisziplinäre Planung erfolgt in Zusammenarbeit mit einem eingespielten Team an Fachleuten aller relevanter Bereiche. Die bauliche Umsetzung erfolgt unter stetiger intensiver Qualitäts-, Kosten- und Terminkontrolle. Schwerpunkte unserer Tätigkeit sind Planung und Realisierung von Passiv- und Niedrigenergiehäusern, zum Teil in Holzrahmenbauweise, sowie die Sanierung, Modernisierung und Erweiterung bestehender Wohngebäude mit hohem energetischem Anspruch.“

Erweitert wurden auch die 27 Wohneinheiten der Darmstädter Mehrfamilienwohnhäuser um sechs Dachgeschoßwohnungen in moderner Holzrahmenbauweise, die mit großzügig geplanten Loggien ausgestattet sind. Dipl.-Ing. Schatull erläutert: „Die alten Satteldächer hätten gedämmt werden müssen. Unter ihnen befanden sich nicht nutzbare Speicherräume. Da war es besser, durch Aufstockungen neuen Wohnraum zu schaffen, auch weil so keine Erschließungs- und Technikkosten anfielen.“

Die bisherigen Balkone mit frei auskragenden Stahlbetonplatten wurden komplett abgetrennt. Sie sind nun ersetzt durch neue, frei vor die Fassade gestellte Balkone, die auch den Vorteil bieten, Wärmebrücken auszuschließen.

Die 27 Wohnungen bieten eine Wohnfläche von 1545 Quadratmetern. Durch den Neubau der sechs Dachgeschoßwohnungen kommen 455 Quadratmeter Wohnfläche hinzu. Der umbaute Raum im Bestand ist 3615 Kubikmeter groß, der des Neubaus 915 Kubikmeter. Realisiert wurde das Bauprojekt von September bis Dezember 2003 und März bis November 2004. Die Kosten in Höhe von 1,8 Millionen Euro wurden zum Teil mit Fördermitteln des Landes Hessen sowie der Stadt Darmstadt abgedeckt.

Attraktive Fassadengestaltung

Architekt Dörfer hatte fest umrissene Vorstellungen für die Farbgebung der drei Fassaden. Es sollten geradlinig abgestufte Gelb-Töne eingesetzt werden, die in: „sehr schöner Harmonie zu den blaugrauen Cemboard-Bekleidungsplatten stehen“. Die neuen Cemboard-Elemente wurden auf 350 Quadratmetern verwendet. Sie statten den Baukörper mit modernen Akzenten aus, ohne daß er an Wiedererkennbarkeit der 60er Jahre verliert. Denn diese sollte auch nach der Modernisierung bestehen bleiben. Diesem Vorbild entspricht auch die feine Putzstruktur mit abgesetzten Fensterfaschen. „Durch die Bekleidung der Aufstockungen im Dachgeschoss entstand eine absolut glatte Fläche. Sie wird durch die filigranen Stoßfugen gegliedert, die dem Baukörper des Dachgeschosses eine elegante Wirkung verleihen“, so Architekt Dörfer. Bei Auswahl und Montage der Cemboard-Fassadenbekleidungsplatten wirkten Fachleute des Herstellers Caparol unterstützend mit.

Hauseingang, Kellergeschoß und Bäder

Die alten mit Treppenstufen versehenen dunklen Hauseingänge wurden entfernt. In Form eines verglasten Windfanges bilden die neuen Zugänge einen hellen und freundlichen Eingangsbereich. Die Standfläche vor den Eingängen wird durch ein filigranes, transparentes Vordach überspannt. Durch Anheben der Zugangswege im Außenbereich konnte ein barrierefreier Zugang vom Bürgersteig bis zur Haustür geschaffen werden.

Das Kellergeschoß wurde im Zuge der Bauarbeiten komplett freigelegt, die Außenabdichtung erneuert und eine Perimeter-Dämmung eingebaut. Hierdurch diese Maßnahmen wird die konstruktive Bausubstanz der Gebäude nachhaltig geschützt.

Die Bäder aus den 60er Jahren wurden vollständig demontiert. Sämtliche Wasser führenden Leitungen wurden erneuert und in kürzestmöglicher Bauzeit durch eine komplett neue Installation ersetzt. Durch das Verwenden von Vorwandinstallationen und Trockenbauweise konnten die Bäder bereits nach weniger als zehn Arbeitstagen wieder an die Benutzer übergeben werden.

Die Bauarbeiten wurden im bewohnten Zustand durchgeführt. Durch Berücksichtigung der Mieter-Interessen zum Zeitpunkt bei der vorbereitenden Planung gelang es, die mit dem Umbau verbundenen Belastungen erträglich zu gestalten. Somit wurde das Projekt neben den energetischen Aspekten auch aus Sicht der Bewohner zu einem vollen Erfolg.