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| Das Kasseler Wohnhaus ist eines der ersten Objekte, in dem Solarkollektoren in einer gedämmten Fassade integriert sind. |
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Energie zum Nulltarif
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Gelungene Modernisierung kombiniert Solarthermie und Wärmedämmung
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Am Eingang des Kasseler Schlehenweges 27 leuchten 1146 kWh im fenstergroßen Display. Diese Energiemenge zapften die neu installierten Kollektoren innerhalb von acht Wochen der Sonne ab und erwärmten damit Wasser für etwa 570 Duschbäder. In den Genuß der solaren Tankstelle kommen die Bewohner des Mehrfamilienhauses seit Dezember 2004. Ungewöhnlich an dieser Art der Energiegewinnung ist die Lage der Solarzellen. Sie sitzen nicht wie üblicherweise auf dem Dach, sondern in zwei Längsreihen rechts und links der Fenster. Nahtlos sind sie in ein Wärmedämm-Verbundsystem integriert, so daß Siliziumplatten und Außenwand eine Einheit bilden. Keine auskragenden Metallkonstruktionen, auf denen normalerweise Solarzellen montiert sind, stören das Fassadenbild.
Die neuartige Kombination von Solarthermie und Vollwärmeschutz sind neben neuer Heizungsanlage und Treppenhaus Teile der Modernisierungsmaßnahmen des in die Jahre gekommenen Gebäudes der Vereinigten Wohnstätten 1889. Dieses Dämm-System bietet Energieeffizienz im Doppelpack: Es vermeidet Wärmeverluste und gewinnt gleichzeitig Energie. Angesichts hoher Nebenkosten durch steigende Heizöl- und Gaspreise wirkt sich dieser Bonus positiv auf die Geldbeutel der achtzehn Parteien aus. Zumal die Vereinigten Wohnstätten 1889 keinen Cent der Anlagekosten auf die Miete umlegte. „Als Bonbon“, sagt Karl-Heinz Stallmach, Leiter der Technischen Abteilung. Aber auch Umwelt und Menschen kommt der Einsatz regenerativer Energien zu Gute, da weniger Schadstoffe ausgestoßen und fossile Brennstoffe eingespart werden. |
Zukunftstrend: Solarthermie
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Mit dem ökologischen Konzept einer solarintegrierten, gedämmten Fassade treibt die Vereinigte Wohnstätte ein neues Anwendungsgebiet der Solarthermie voran. Seit einigen Jahren erfährt die Nutzung regenerativer Energien starken Auftrieb. Klimabedrohung, Treibhauseffekt, Schadstoffbelastungen und endliche fossile Brennstoffe zwingen zum Umdenken. Entsprechende Gesetzgebung und Klimaschutzabkommen zielen darauf ab, Schadstoffemissionen und die Verwendung fossiler Brennstoffe wie Öl und Gas zu begrenzen sowie den Einsatz regenerativer Energien zu fördern. Laut Deutscher Gesellschaft für Solarenergie werden alleine durch thermische Solaranlagen jedes Jahr 200 Millionen Liter Heizöl eingespart und dadurch etwa 800.000 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen vermieden. Fachleute schätzen, daß bis 2010 etwa zehn Millionen Quadratmeter Kollektorfläche Deutschlands Dächer und Hausfronten bedecken werden.
Das Prinzip der Solarwärme ist denkbar einfach: Sonnenlicht trifft auf die dunklen Absorberflächen der Kollektoren, die die Strahlung in Wärme umwandeln. Ein frostsicheres Trägermedium transportiert diese über ein Leitungssystem in einen Speichertank, wo sich das Wasser mit Hilfe eines Wärmetauschers aufheizt. Nutzen kann man die heiße Flüssigkeit im allgemeinen als Brauchwasser oder Heizmedium. Im Fall der Kasseler Genossenschaft fließt sonnenerwärmtes Brauchwasser aus Hähnen und Duschköpfen. Die dafür nötige Anlagentechnik: Solarspeicher, Rohrleitungen und Regelstation fanden bequem im Keller neben dem neuen Brennwertkessel für die Gasfeuerung Platz. Dessen Leistung „dank der energieeffizienten Maßnahmen von 230 kWh auf 130 gedrückt werden konnte.“ |
Fachleute am Werk
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In ihrer Vorreiterrolle fühlt sich die Kasseler Wohnungsbaugenossenschaft wohl. Sie redet nicht nur vom Umweltschutz, sie handelt. „Anstoß gab das Pilot-Objekt in Eschwege mit seinem überzeugenden Energiekonzept“, erläutert Stallmach die Entscheidung pro Wärmedämmung plus Solarthermie. In Zusammenarbeit mit der Firma Caparol, einem der führenden Unternehmen im Bereich Farben, Lacke, Bautenschutz, setzte er die Sanierungsarbeiten um. „Die lieferten alles aus einer Hand.“
Die solare Fassadentechnologie ist eines der jüngsten Produkte des Ober-Ramstädter Unternehmens. Seit einigen Jahren entwickelt es auch Möglichkeiten, Sonnenlicht, das auf die Fassade trifft, energetisch zu nutzen. Hier sei beispielsweise die transparente Wärmedämmung (TWD) genannt. Diese Anwendung ist allerdings vom Einfallswinkel der Strahlen abhängig und hauptsächlich im Winter ertragreich. Die siebzehn Solarzellen mit einer Gesamtfläche von dreißig Quadratmetern hingegen machen keine Pause. Ihre Dimensionierung ist vom Wärmebüro Klaft anhand der Verbrauchsdaten so berechnet, daß die Zellen im Jahresdurchschnitt siebzig Prozent des Warmwasserbedarfs erzeugen. Sollte die Kapazität im Winter oder an sonnenarmen Tagen nicht ausreichen, springt automatisch der Gasbrenner ein.
Neben ihrer Funktion als Energielieferant nutzen viele Planer die in variablen Formaten verfügbaren Sonnenkollektoren als gestalterische Elemente. So glitzern komplette Fronten an Neubauten dunkel kristallin, während einzelne Reihen an Altbauten die Blicke auf sich ziehen. Für sicheren Halt an der Wand sorgt ein spezielles Capatect-Halterungssystem. Dessen Mechanik ist so konzipiert, daß die Elemente bündig mit dem Oberputz des Capatect-Wärmedämm-Verbundsystem abschließen. „Im Gegensatz zu Dachaufbauten sind die Kollektoren bei uns rückseitig gedämmt. Dadurch vermeidet man Konvektionsverluste und erhöht den Wirkungsgrad“, betont Caparol-Fachmann Peter Schmidt. |
Energiebilanz
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| Insgesamt 1880 Quadratmeter Fassadenfläche sowie 180 Quadratmeter Kellerdecke und 180 Quadratmeter Fußboden der Dachräume versah der ausführende Malerbetrieb Luckey mit 100 Millimeter starken mineralischen Dämmplatten. Von dieser thermischen Hülle profitieren die Mieter mit „wesentlich mehr als 25 Prozent Heizkostenersparnis“ und einem angenehmen Raumklima. Für sie gehören zugige Ecken und Wärmebrücken der Vergangenheit an. Aber nicht nur die: Auch hohe Stromkosten für den Betrieb der ehemaligen Durchlauferhitzer und enorme Schadstoffbelastung dank der Umstellung von Öl- auf die sparsamere und emissionsärmere Gasheizung. So reduzierte sich der Ausstoß von Schwefeldioxid um fast 100 Prozent, Stickoxiden um 78 und das Treibhausgas Kohlendioxid um etwa 67 Prozent. Den gesetzten Zielen, „die Vermietungssituation verbessern und den Nachrüstpflichten für Altbauten laut Energieeinsparverordnung nachkommen“, wurde im Schlehenweg perfekt entsprochen. |
Schick von außen bis innen
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| Die Nummer 27 trumpft gegenüber seinen Nachbarn nicht nur mit einem durchdachten Energiekonzept auf, sondern zeigt sich auch in neuer Optik. Wo vor kurzem olivgelbe Eternitplatten die Außenwände dominierten, strahlt nun mineralischer Edelkratzputz in hellen, warmen Farbtönen Frische und Freundlichkeit aus. In punkto Farbgestaltung hatten die Vereinigten Wohnstätten ebenfalls die Nase vorn: Statt monochrome Einheitswände, wie bei den übrigen Bestandsbauten, fügen sich hellgraue, sandfarbene und gelbe Fassadenabschnitte harmonisch in das Siedlungsbild ein. Diese drei Töne wiederholen sich im Treppenhaus, dessen Jahrzehnte alter Anstrich eine Verjüngungskur aus feinkörnigem Caparol-Dekorputz erhielt. „Mutig“ bezeichnet Kirstin Bachmann, Farbdesignerin bei Caparol, die Entscheidung Stallmachs für die farblich anspruchsvollste Variante dreier Konzeptvorschläge. Aber eine Portion Mut gehört dazu, will man etwas verändern. Die nächste bauliche Veränderung visiert Karl-Heinz Stallmach für 2006 an. Klar, da dabei Energie wieder aus regenerativen Quellen erzeugt wird. |
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