Unsere Referenzen auf einen Blick
Kräftige Farbakzente kennzeichnen das Mehrfamilienhaus.
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Wohnungsbau GmbH Pfarrkirchen-Simbach setzt auf Erdwärme

Geothermie und Wärmedämmung halten Heizkosten niedrig

Die Wohnungsbau GmbH Pfarrkirchen-Simbach am Inn besitzt rund tausend Wohneinheiten im eigenen Bestand und verwaltet zudem weitere 500. In den vergangenen Jahren hat sie in Simbach rund 250 Wohneinheiten energetisch modernisiert. Sie befinden sich in zwei- bis viergeschossigen Wohnhäusern, die überwiegend in den 50er und 60er Jahren erbaut wurden. Beheizt werden sie durch Geothermie im Rahmen des mit Abstand größten Erdwärme-Projektes in Mitteleuropa.

Niedrige Heizkosten

Konrad Freutsmiedl, Geschäftsführer der Wohnungsbau GmbH Pfarrkirchen-Simbach, ist besonders stolz darauf, die Heizkosten in den Sozialbau-Wohnungen niedrig gehalten zu haben: „Unsere Mieter zahlen einen energieäquivalenten Energiepreis, der sich an den Ölpreisen von 2002 orientiert, umgerechnet etwa 0,35 Euro pro Liter. Es ist unser Ziel, den Bestand solide zu bewirtschaften. Deswegen haben wir die Simbacher Wohnhäuser einer Generalsanierung unterzogen.

Hier wurden nicht nur 44.000 Fassadenquadratmeter mit Wärmedämm-Verbundsystemen ausgestattet, sondern auch neue Bäder und Haustürsprechanlagen installiert. Die Häuser bekamen neue Dächer, neue Elektro- und Sanitärsysteme, vorgestellte Balkone und neue Dreischeibenglas-Wärmedämmfenster. Dafür investierten wir rund 6,5 Millionen Euro. Besonders wichtig war es für uns zudem, in den traditionellen Wohngebieten farbgestaltete Fassaden zu schaffen, die individuell, abwechslungsreich und einladend sind. Es sollte eine Atmosphäre entstehen, die Geborgenheit ausstrahlt – und das haben wir geschafft. Nach den positiven Aussagen der Mieter ist dieses Fazit stimmig.“

Das Geothermie-Projekt

In Simbach und dem österreichischen Braunau am Inn wurde die erste grenzüberschreitende Fernwärmeanlage Europas errichtet. Sie basiert auf umweltfreundlicher Erdwärme aus einer Tiefe von 2000 Metern. Erstmals wurde die effiziente, umweltschonende Nutzung einer erneuerbaren Energiequelle mit der länderübergreifenden Zusammenarbeit der beiden Städte Braunau (18.000 Einwohner) und Simbach (10.000 Einwohner) gekoppelt.

Für die innovative Form der Wärmegewinnung waren zwei Tiefbohrungen – eine Förder- und eine Verpressbohrung – notwendig. Die gespeicherte Wärme in dem aus der Förderbohrung gepumpten Thermalwasser wird mittels Wärmetauscher an das angeschlossene Fernwärmenetz weitergegeben. Das so genutzte Wasser wird dann über die an der Erdoberfläche nur 15 Meter versetzte Verpressbohrung in den Untergrund zurückgepumpt. Damit schließt sich der Kreislauf, dem Vorkommen wird kein Wasser entzogen.

Rund zwei Drittel der jährlich von den Kunden der Energielieferanten benötigten 67 GWh an Wärme können über die Geothermie abgedeckt werden. Der Rest wird mit Hilfe eines Gaskessels in der Heizzentrale Simbach aufgebracht. Dieser Gaskessel dient auch dazu, um die in der Erde gespeicherte Wärme von rund 80 Grad C in besonders kalten Perioden auf die erforderliche Betriebstemperatur von 110 Grad C zu bringen. Es werden 74 Liter Heißwasser pro Sekunde (266 Kubikmeter pro Stunde) gefördert.

Die Bohrungen

Die erste der beiden Bohrungen verläuft senkrecht auf Simbacher Seite und dient der Rückführung des abgekühlten Wassers. In 1738 Metern Tiefe wird der Thermalwasserleiter erreicht, der sich bis zur Endtiefe von 1848 Metern als außerordentlich gut durchlässig erweist und somit die Voraussetzung für eine wirtschaftliche Verpressung des Wassers erfüllt. Die zweite Bohrung führt von Simbach aus 800 Meter in die Tiefe, verläuft dann mit einem Winkel von 70 Grad gegenüber der Vertikalen unter dem Inn hindurch und durchquert in 1100 Meter Tiefe die deutsch-österreichische Grenze. Die Bohrung endet in einer Tiefe von 1950 Metern im Stadtgebiet von Braunau, 2200 Meter vom Endpunkt der ersten Bohrung entfernt. Durch den Einsatz der Geothermie können fast 16.000 Tonnen Kohlendioxid jährlich eingespart werden.

Das Fernwärmeleitungsnetz hat einen Anschlusswert von 40 Megawatt und eine Trassenlänge von rund 35 Kilometern. Die Hälfte dieser Leistung entfällt auf Braunauer Kunden, die andere wird in Simbach gebraucht. Derzeit sind rund 750 Gebäude an die umweltfreundliche Fernwärme angeschlossen, darunter mehr als 2000 Haushalte. In Simbach konzentrieren sich die Fernwärme-Anschlüsse vor allem auf private Wohnhäuser.

Das Geothermie-Projekt hat einen Investitions-Umfang von 21 Millionen Euro. Es wurde von der EU mit rund 2,3 Millionen Euro gefördert. Weitere 5,7 Millionen Euro kamen von den Ländern Bayern und Oberösterreich sowie dem Umweltministerium.

Die Farbgestaltung

Bei der umfassenden Modernisierung der Simbacher Wohngebäude war Caparol-Außendienstmitarbeiter Günther Bruckmeier mit Rat und Tat behilflich. Er empfahl den Einsatz von Wärmedämm-Verbundsystemen mit zehn Zentimeter dicken Polystyrol-Dämmplatten. Für die Bauleitung war Architekt Thomas Renner (Bahnhofstraße 19, 84347 Pfarrkirchen) zuständig. Die Farbentwürfe wurden von Gudrun Kabel, Farbdesignerin im Caparol-Farbdesignstudio, ausgearbeitet. Sie ließ sich von folgenden Gedanken leiten: „Größere Wohnkomplexe bedürfen wohl überlegter Farbkonzeptionen. Sie sollen vor allem auch die Umgebungsfarbigkeit berücksichtigen, um die drei Wohnsiedlungen in ein übergreifendes harmonisches Gesamtbild einordnen zu können. Es war mein vorrangiges Ziel, den Bewohnern ein freundliches Zuhause zu bieten, auch um etwaigen sozialen Spannungen von Anfang an entgegen zu wirken.“

Hier können Farben unterstützend helfen. Und die Akzeptanz der neuen Farbigkeit ist bei den in Simbach lebenden Menschen besonders hoch. Farbe sensibel und anspruchsvoll den unterschiedlichen baulichen Gegebenheiten anzupassen, ist unumgänglich, denn Farbe und Form gehören untrennbar zur Architektur. Nur wenn diese Zielsetzung mit der nötigen Kompetenz in die Praxis umgesetzt wird, kann der Mensch mit Architektur und Raum in Harmonie leben.

Bei der jetzt fertig gestellten Sanierung wurde das Thema Farbe aufwendig in Szene gesetzt, denn die große Anzahl an Einzelbauten sollte durch unterscheidbare Farbigkeiten für die dort lebenden Menschen einen hohen Wiedererkennungswert und eine Identifizierung mit ihrem Zuhause ermöglichen. Da jedes Gebäude seine eigene Individualität aufbaut, war es wichtig, die formalen Gliederungen der jeweiligen Gebäude aufzuspüren, um sie dann farbig zu begleiten. Natürlich sind die warmen, freundlichen Farben bevorzugt worden, aber auch kühlere frische Farben bis hin zu leichten Blautönen finden Verwendung und bauen eine wohltuende Spannung im Farbkonzept auf. Auch „Farbpausen“ wurden eingesetzt, um eine Überbuntung zu verhindern.

Fotos: Caparol Farben Lacke Bautenschutz