 |
| Besonders leistungsfähig ist die Wärmedämmung – hier ein Detail im Sockelbereich. |
|
|
|
Mehrfamilienhaus gewinnt Energie
|
Erstes Passivhaus im Mietwohnungsbestand
|
| Als „Erstes Energie-Gewinn-Haus im Mietwohnungsbestand“ kennzeichnet die GAG in Ludwigshafen ein Projekt an der Hoheloogstraße 1 und 3. Die GAG ist das größte Wohnungsunternehmen in Rheinland-Pfalz. Sie betreut 14 500 Wohneinheiten und wurde 1920 gegründet. Jeder fünfte Ludwigshafener lebt in einer GAG-Wohnung. Bei dem Projekt in der Hoheloogstraße ging es darum, zwei Häuser aus den 60er Jahren so umzubauen, dass sie einen Energieüberschuß von rund 20 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr erreichen. |
„Ökonomisch optimiert“
|
Architekt Walter Braun, technischer Vorstand a.D. der GAG (Aktiengesellschaft für Wohnungs-, Gewerbe- und Städtebau), nennt die Zielsetzung: „Wir wollen ein ökonomisch optimiertes Modellprojekt realisieren, das ein energieneutrales Wohnen ermöglicht. Im Hinblick auf die begrenzten Ressourcen an fossilen Brennstoffen sowie drastisch steigende Energiepreise ist das sicher zukunftsweisend.“
„In bestehenden Mehrfamilienhäusern ist die Umsetzung der neuen Technik schwierig, weil die Wärmebedürfnisse unterschiedlich sind und die Regelung ohne aktive Heizung problematisch ist,“ schildert die GAG die Herausforderung: „Die Lüftungsanlagen übertragen den Lärm von Wohnung zu Wohnung. Die Betonbalkone transportieren im Winter die Kälte ins Gebäudeinnere. Unbewohnte Kellerräume und Treppenhäuser kühlen Mehrfamilienhäuser zusätzlich aus.“
Die Wohnungsbaugesellschaft hat sich vorgenommen, hier eine bautechnische Lösung zu finden. Zwei bestehende Sechs-Familienhäuser, unterkellert, mit zwei Treppenhäusern und einem Betonbalkon je Wohnung – ein typisches Merkmal sozialen Wohnungsbaus der 60er – sollen durch Umbau zeitgemäße Wohnungszuschnitte erhalten. Insbesondere geht es darum, nach energetischer Sanierung Passivhausstandard erreichen und damit keine herkömmliche Heizung mehr zu benötigen. Zudem soll das Projekt auch ökonomisch optimiert werden, damit die Rentabilität gewährleistet ist und weitere Modernisierung dieser Art folgen können.
Das energiesparende und Umwelt entlastende Wohnen wird somit erstmals auch für breite Bevölkerungsschichten zu vertretbaren Kosten möglich. Das Energiesparpotenzial und die Schadstoffreduzierung werden vor allem in Städten beachtlich sein, weil zahlreiche Großsiedlungen aus den Nachkriegsjahren zur Sanierung anstehen.
Erreicht werden sollen die hochgesteckten Ziele durch Weiterentwicklung und Kombination verschiedener neuer Technologien. Der jährliche Heizwärmebedarf wird unter anderem durch eine 30 Zentimeter dicke Wärmedämmung (LWLD 035) der Außenbauteile und dreifach verglaste Fenster von 250 auf 15 Kilowattstunden je Quadratmeter Wohnfläche – um 94 Prozent – verringert. Die Wärme aus der Abluft wird mit Wärmetauschern zu 85 Prozent entzogen und der Frischluft wieder zugeführt. Die Regelung erfolgt über einen Wasser-Luft-Wärmetauscher in Kombination mit der Nahwärmeversorgung - betrieben mit einer energieeffizienten Kraft-Wärme-Kopplung.
Eine 110 Quadratmeter große Fotovoltaikanlage auf den südlich gelegenen Dachflächen produziert jährlich 12.000 Kilowattstunden Strom aus der Sonne. Der Energie-Überschuss, bezogen auf die Gebäudetemperierung, beträgt jährlich 35 Kilowattstunden je Quadratmeter Wohnfläche. Das entspricht 3,5 Litern Heizöl. Die Wohnungen umfassen eine Gesamtfläche von 736 Quadratmetern. |
Passivhaus-Institut wirkt beratend mit
|
„In 50 Jahren haben die beiden Gebäude mit ihren zwölf Wohnungen eine Million Liter Heizöl verbraucht“, so Walter Braun: „In den nächsten 50 Jahren werden sie einen energieäquivalenten Gewinn von 100.000 Litern Heizöl erbringen.“ Mit den Modernisierungsarbeiten wurde im Februar 2005 begonnen. Sie waren im April 2006 beendet.
Bei der energetischen Sanierung hat das Passivhausinstitut in Darmstadt beratend mitgewirkt. Dipl.-Ing. Werner Aumann von Caparol, dem Hersteller des Wärmedämm-Verbundsystems, betreute die Planung im Vorfeld und die Malerarbeiten an den Fassaden. Ausgeführt wurden sie von der Heil Maler GmbH (In den Mühlwiesen 1, 66879 Steinwenden). Dabei setzten die Verarbeiter auf eine neuartige Dämmplatte, die wegen ihrer Sprenkelung „Dalmatinerplatte“ genannt wird. Für die Endbeschichtung der rund 700 Quadratmeter großen Wärmedämmung empfahl sich Mineralleichtputz, der zweimal mit Thermosan (einer algizid und fungizid ausgerüsteten Spezialfarbe) überstrichen wurde. |
Höherer Wohnkomfort
|
„Eine Tragwand mit Fensterelementen haben wir durch eine Komplettverglasung ersetzt,“ berichtet Dipl-Ing. André Zaman, bei der GAG mit seinem Team für Planung, Ausschreibung und Bauleitung zuständig, mit Blick auf die Fassadenarbeiten: „Außerdem wurden zwölf Balkone vorgebaut, was den Wohnkomfort deutlich erhöht. Die Zu- und Ablufttechnik, dezentral für jede Wohnung eine Anlage, wurde eingehaust. Die Mieten werden mit 4,90 bis 5,50 Euro pro Quadratmeter sehr günstig sein, besonders deshalb, weil so gut wie keine Heizkosten mehr anfallen.“
Mit der auch bei einem Passivhaus zur Warmwasserbereitung benötigten Wärme werden die Wohnhäuser durch ein nah gelegenes Blockheizkraftwerk versorgt. Dessen Leistung ist mit 43 Kilowatt elektrisch und 75 Kilowatt thermisch für 108 Wohneinheiten ausgelegt. Die Umbaukosten für die Sanierung lagen bei rund 1100 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche und damit um 130 bis 150 Euro über denen, die eine Modernisierung auf 7-Liter-Haus-Stand erfordert. |
Fotos: Caparol Farben Lacke Bautenschutz |
|
|